[Nach „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“, 26. Jahrgang Nr. 8, 7. Januar 1916, S. 57, Rubrik „Aus der Bewegung“]
Genosse Vaillant ist tot Mit ihm ist wieder einer jener Männer dahingegangen, die ein Stück Geschichte der ersten wie der zweiten Internationale verkörperten, war er doch eines der führenden Mitglieder in der französischen Sektion der Internationale. Es liegt eine tiefe Tragik in seinem Schicksal. Er, der auf allen internationalen Tagungen und überall dafür eingetreten war, dass das Proletariat die Pflicht habe, durch eine gemeinsame und selbständige Aktion der Kriegsgefahr entgegenzutreten, und der seit seiner Jugend ein aufrichtiger Bewunderer der deutschen Kultur war und für das Verständnis des Deutschtums unter seinen Landsleuten gewirkt hat, dieser treffliche Mensch und sozialistische Kämpfer musste nicht nur den Zusammenbruch aller seiner Erwartungen erleben, sondern verlor selbst mit Ausbruch des Krieges die sozialistische Orientierung und sah schließlich im Sieg des kapitalistischen Frankreichs über das militaristische Deutschland die einzige Rettung. In der nächsten Nummer werden wir Vaillant als Kämpfer und als Mensch ausführlich würdigen. Sein Schicksal war das Schicksal der zweiten Internationale.
Schreibe einen Kommentar