Clara Zetkin: Zu Liebknechts siebzigstem Geburtstag

[Nach „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“, 6. Jahrgang Nr. 6, 18. März 1896, S. 42]

Am 29. März feiert der Bewährtesten und Besten Einer, die für des Proletariats Befreiung gekämpft, feiert Wilhelm Liebknecht seinen siebzigsten Geburtstag. Köstlich war die Zeit, die hinter ihm liegt, denn sie ist Mühe und Arbeit gewesen im Dienste einer großen Sache, für welche schon der Jüngling geglüht und gekämpft, und für welche der Mann im Silberhaar noch mit der gleichen jugendlichen Begeisterung ringt. Sein Leben spiegelt ein großes, ein bedeutungsreiches Stück unserer Parteigeschichte wieder. Unter den schwierigsten politischen Verhältnissen, unter den härtesten persönlichen Mühen und Opfern, von der Reaktion gehetzt, verfolgt, getroffen, aber nie bezwungen, stand Liebknecht allzeit dort, wo der Kampf für Volksfreiheit und Volksrechte am heißesten tobte. Mit unbeugsamer Energie und unwandelbarer Überzeugungstreue hat er für seine Ideale gerungen, hat er für sie gelitten. Der Kampf hat ihn nicht gebrochen, er hat ihn gestählt. Nicht ein müder Greis ist es, den das Proletariat – und nicht bloß das Deutschlands, auch das des Auslands – am 29. März grüßt, vielmehr ein rüstiger Kämpfer, der nach wie vor in der ersten Reihe der Zukunftsfrohen und Zukunftsfreien ficht. Was Liebknecht für die Befreiung der Arbeiterklasse gewirkt und erstrebt, es ist auch für die Befreiung der proletarischen Frauen geschehen, auch der Erkämpfung ihres Menschentums hat sein Mühen gegolten. Die deutschen Genossinnen gesellen sich Denen zu, die am 29. März in dankbarer Verehrung den bewährten, selbstlosen Kämpen grüßen und herzliche Wünsche senden.


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