[Nach „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“, 12. Jahrgang Nr. 26, 17. Dezember 1902, S. 201]
Mit der vorliegenden Nummer schließt der zwölfte Jahrgang der „Gleichheit“.
Wie in den vergangenen Jahren so wird die „Gleichheit“ auch fernerhin mit aller Energie und Schärfe kämpfen für die volle soziale Befreiung der proletarischen Frauenwelt, wie sie einzig und allein möglich ist in einer sozialistischen Gesellschaft. Denn nur in einer solchen verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhältnissen die Ursache jeder gesellschaftlichen Unterdrückung und Unfreiheit: die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Menschen von einem anderen Menschen denn nur in einer solchen verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhältnissen der Gegensatz zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden, der soziale Gegensatz zwischen Mann und Frau, zwischen Kopfarbeit und Handarbeit.
Die Aufhebung dieser Gegensätze kann jedoch nur erfolgen durch den Klassenkampf: die Befreiung des Proletariatskann nur das Werk des Proletariats selbst sein. Will die proletarische Frau frei werden, so muss sie sich der allgemeinen sozialistischen Arbeiterbewegung anschließen. Und nur ihr, keineswegs aber der bürgerlichen Frauenrechtelei, die zwar zu Gunsten des weiblichen Geschlechts innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft reformieren will, aber grundsätzlich eine Revolution der Gesellschaft zu Gunsten der ausgebeuteten Klasse zurückweist. Die proletarischen Frauen zum Klassenkampf zu rufen und für den Klassenkampf zu schulen, das wird wie bisher so in Zukunft die vornehmste Aufgabe der „Gleichheit“ bleiben. Ihrem alten Programm getreu wird sie auch im kommenden Jahre werben für den Streit, wo „ein Hüben und Drüben nur gilt“. Die erfolgreiche Lösung dieser Aufgabe ist in den Zeiten des Zollwuchers und der Rechtsvergewaltigung bedeutsamer als je. Das neue Jahr ist ein Wahljahr, ein Jahr der Abrechnung mit den Feinden des Proletariats. Wenn schon die Frau eine politisch Rechtlose ist, so ist sie doch keine Machtlose. Aufgeklärt, geschult, kann sie das Ihrige dazu tun, dass die rechts- und gesetzesbrecherischen Zollräuber die Strafe ereilt. Die „Gleichheit“ wird sich deshalb besonders angelegen sein lassen, die Proletarierinnen auch für den Wahlkampf zu rüsten. Wir hoffen, dass sich das Blatt die alten Sympathien erhalten und neue Sympathien erwerben wird.
Redaktion und Verlag werden Alles aufbieten, was in ihren Kräften steht, damit die „Gleichheit“ ihrer Aufgabe gerecht wird.
Die „Gleichheit“ ist im Reichspostzeitungskatalog pro 1903 eingetragen unter Nr. 3189, im württembergischen Katalog unter Nr. 122 und kostet vierteljährlich 55 Pfennig ohne Bestellgeld.
Probe und Agitationsnummern der „Gleichheit“ werden jederzeit gratis abgegeben. Recht zahlreichen neuen Abonnements sieht entgegen
Die Redaktion und der Verlag
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