Clara Zetkin: Die Arbeiterinnen in den deutschen Gewerkschaftsorganisationen im Jahre 1900

[Nach „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“, 11. Jahrgang Nr. 19, 11. September 1901, S. 145-147]

Wie steht es um die gewerkschaftliche Organisation der deutschen Arbeiterinnen? Diese Frage darf gegenwärtig eine größere Bedeutung als je beanspruchen. Die Krise, welche heraufzieht, und in manchen Industrien schon entfesselt ist, macht den strammsten gewerkschaftlichen Zusammenschluss aller lohnarbeitenden Berufsgenossen zu Schutz und Trutz wider das ausbeutungslüsterne, machtstarke Unternehmertum immer dringlicher. Und die Rolle, welche die Arbeiterin auf industriellem Gebiet spielt, ist stetig bedeutsamer, einflussreicher geworden. Von dem Maße, in welchem die Gewerkschaftsorganisationen sich die weiblichen Berufsangehörigen eingegliedert haben, in welchem es ihnen gelingt, diese zu verständnisvollen, opferbereiten und ausdauernden Mitträgerinnen ihrer Aktionen zu machen, hängt ganz wesentlich mit ihre Widerstandskraft zur Abwehr der bösen Folgen des wirtschaftlichen Niederganges ab.

Eine Antwort auf die oben gestellte wichtige Frage finden wir in dem Bericht der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, welchen Genosse Legien über „Die deutschen Gewerkschaftsorganisationen im Jahre 1900“ in Nr. 04 des „Korrespondenzblattes“ veröffentlicht hat. Die übersichtliche und gewissenhafte Arbeit, welche durch Tabellen und Text ein klares Bild von der Entwicklung und dem reichen, vielseitigen Leben der deutschen Gewerkschaften zeichnet, gibt auch einen Überblick über den Stand der deutschen Arbeiterinnenorganisation.

Gewiss, dass die Zentralverbände, welche der Generalkommission angeschlossen sind, nicht alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen Deutschlands überhaupt umfassen. Auch christliche Gewerkschaften und Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine lassen sich in den letzten Jahren angelegen sein, die Arbeiterinnen gewerkschaftlich zu sammeln. Aber eine offizielle, unanfechtbare Zusammenstellung über die Zahl der betreffenden weiblichen Organisierten ist unseres Wissens nicht erschienen. Nach allem, was verlautet, soll die Zahl klein sein. Nur die „Hilfsvereine für weibliche Angestellte“ – welche zwar formell nicht zu den Gewerkvereinen gehören, ihnen aber wesensverwandt sind – weisen an einzelnen Orten eine stattliche Mitgliederzahl auf, so vor Allem in Berlin. Jedoch kommen diese harmonieseligen Organisationen für die wirtschaftlichen Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse am allerwenigsten in Betracht, kämpfen sie doch nicht einmal energisch für bessere Arbeitsbedingungen ihrer eigenen Mitglieder. Was die Arbeiterinnen verschiedener Berufe anbelangt, die hier und dort von katholischen und evangelischen Frauengruppen, Arbeiterfreunden etc. oder von bürgerlichen Sozialreformlern in Lokalvereinen organisiert worden sind – z.B. die Heimarbeiterinnen in Berlin, die Kellnerinnen in München –, so ist ihre Zahl gering, und ihre Organisationen sind nicht nur so gut wie völlig kampfesunfähig, sondern zum großen Teile ausgesprochen kampfesfeindlich. Die meisten Lokalorganisationen aber, welche auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, besitzen in Folge ihres angeblich „politischen“ Charakters keine weiblichen Mitglieder. Was an allgemeinen Arbeiterinnenvereinen von Büttelgewalt nicht zerschmettert wurde, das fiel dem Nachrichtertum des Juristenscharfsinns zum Opfer. So umschließen denn die Zentralverbände entschieden nicht bloß das Gros der gewerkschaftlich organisierten deutschen Arbeiterinnen, sondern vor Allem auch die Kerntruppen derselben.

Nur 21 von den 58 zentralisierten Gewerkschaften weisen 1900 eine weibliche Mitgliedschaft auf, und dies obgleich mit verschwindenden Ausnahmen (Bildhauer, Dachdecker, Maschinisten und Heizer, Seeleute) alle mit weiblichen Berufsangehörigen rechnen müssen. In den 21 Verbänden waren zusammen 22.844 Arbeiterinnen organisiert. Die geringste Zahl weiblicher Mitglieder finden wir im Verband der Lagerhalter: 9, die größte im Textilarbeiterverband: 5254. Letzterer ist die einzige Gewerkschaft, die eine weibliche Mitgliedschaft von über 5000 zählt. Nur in fünf weiteren Verbänden beträgt die Zahl der organisierten Arbeiterinnen mehr als 1000, reicht aber noch nicht nahe an 5000 heran. Es sind dies die Verbände der Schuhmacher mit 1915, der Metallarbeiter mit 2693, der Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter mit 2889, der Buchbinder mit 3046 und der Tabakarbeiter mit 3922 weiblichen Mitgliedern. In einer Stärke von über 500 sind die Arbeiterinnen in folgenden drei Zentralisationen vertreten: Buchdruckereihilfsarbeiter 698, Holzarbeiter 726, Schneider 758. Den drei Verbänden der Handschuhmacher, Hutmacher und Porzellanarbeiter gehören 105, 111 und 357 weibliche Arbeiter an. Die übrigen gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen verteilen sich auf die einzelnen Verbände wie folgt: Lagerhalter 9, Konditoren 15, Vergolder 28, Sattler 31, Glasarbeiter 33, Tapezierer 37, Masseure 46, Handlungsgehilfen und Zigarrensortierer je 80.

Schon diese Zahlen lassen sinnenfällig die winzige Beteiligung der deutschen Arbeiterinnen an der gewerkschaftlichen Organisation erkennen. Jedoch noch plastischer tritt diese in Erscheinung, wenn wir die Zahl der Arbeiterinnen der Zahl der weiblichen Organisierten gegenüberstellen. Nach der Gewerbezählung von 1895 waren in den 58 Berufen, welche für die Statistik der Generalkommission in Betracht kamen, 825.796 Arbeiterinnen beschäftigt. Nur 22.844 davon gehörten Verbänden an, das heißt 2,76 Prozent, also vom Hundert noch nicht drei. Von den männlichen Berufsangehörigen entfielen dagegen auf Hundert fast achtzehn Organisierte, nämlich 17,88 Prozent. Die stärkste Verhältniszahl organisierter Arbeiterinnen weist das Buchbindergewerbe mit 22,50 Prozent von 13.535 weiblichen Berufsangehörigen auf. Ihm reiht sich die Schuhindustrie an, von deren 9431 Arbeiterinnen 20,31 Prozent organisiert sind. 12,15 Prozent der 5747 Buchdruckereihilfsarbeiterinnen (nach der Berufszählung) gehören ihrem Verband an. Den Metallarbeitern ist es gelungen, ihrer Zentralisation 11,37 Prozent ihrer 23.684 Kolleginnen zuzuführen: 6,65 Prozent der 1579 Handschuhmacherinnen sind organisiert, 6,62 Prozent der 10.961 Holzarbeiterinnen und 6,58 Prozent der 60.757 Tabakarbeiterinnen: der Verband der Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter umschließt 4,97 Prozent der in Betracht kommenden 58.154 Arbeiterinnen etc. Ungemein beklagenswert ist der ganz niedrige Satz der organisierten Arbeiterinnen in zwei Industrien, in welchem die Frauenarbeit in ausgedehntestem Maße vertreten ist. Von den 280.446 Textilarbeiterinnen gehören nur 1,16 Prozent, von den 63.220 Schneiderinnen, Näherinnen etc. nur 1,19 Prozent ihrem Verband an. Immerhin sind die Arbeiterinnen der Buchbindereien, Buchdruckereien, der Schuh- und der Metallindustrie in einem höheren Prozentsatz organisiert, als die Arbeiter in manchen anderen (10) Berufen. Die Buchdruckereihilfsarbeiterinnen kommen mit ihrem Prozentsatz der Organisierten – 12,15 Prozent – dem ihrer Kollegen von 16,64 Prozent recht nahe, und die Schuharbeiterinnen stellen dem Verband verhältnismäßig mehr Mitglieder, als die Schuhmacher, von denen nur 18,27 Prozent der Zentralisation angehören.

Im Allgemeinen weisen die vorstehenden Ziffern eine noch durchaus ungenügende Entwicklung der deutschen Arbeiterinnenorganisation aus. Trotz Allem melden sie aber auch von einem kleinen Fortschritt derselben. Die Zahl der Verbände, in denen Arbeiterinnen organisiert sind, hat sich 1900 um zwei vermehrt. Die Tapezierer gewannen 37 weibliche Mitglieder, und der neugegründete Verband der Masseure setzte mit 46 organisierten Kolleginnen ein. Um 3564 – von 19.280 auf 22.844 – ist seit 1899 die Zahl der weiblichen Verbandsmitglieder gestiegen. Diese Zunahme bleibt nicht unbeträchtlich hinter der des Jahres 1899 zurück. In demselben hatten die Gewerkschaften ein Mehr von 5799 weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen, den stärksten Zuwachs, den sie je gehabt. Allein 1899 stand das Gewerkschaftsleben im Zeichen des voll entfalteten wirtschaftlichen Aufschwunges. Kräftige Lohnbewegungen der Metall-, Textil-, Holzarbeiter etc. führten den Organisationen zahlreiche weibliche Mitglieder zu. Im letzten Jahre trat dagegen in einzelnen Industrien bereits die Krise auf. Da muss es als ein erfreuliches Zeichen des Umsichgreifens und der Befestigung des gewerkschaftlichen Gedankens unter den Arbeiterinnen begrüßt werden, dass 15 der 19 Organisationen, welche schon 1899 weibliche Mitglieder umschlossen, einen Zuwachs an solchen von insgesamt 4135 berichten können, und dass nur vier Verbände einen Rückgang an organisierten Arbeiterinnen von 654 aufweisen. Bezeichnend und erklärlich genug trägt der Verband der Textilarbeiter mit 578 den Löwenanteil an der bedauerlichen Abnahme weiblicher Mitglieder. In der Textilindustrie machte sich im letzten Jahre die Krise besonders fühlbar, und die Organisation erfuhr dementsprechend auch einen Verlust an männlichen Mitgliedern. Die Glasarbeiter büßten 61, die Handschuhmacher 11 und die Buchdruckereihilfsarbeiter 4 organisierte Arbeiterinnen ein.

Was den Gewinn an weiblichen Mitgliedern anbelangt, so marschiert der Buchbinderverband an erster Stelle. Er hat ihre Zahl nahezu verdoppelt, den 1581 im Vorjahre organisierten Arbeiterinnen 1465 neue hinzugefügt. Der energische Kampf für Einführung fester Tarifsätze im Buchbindergewerbe hat sehr viel zu dem stattlichen Fortschritt beigetragen. Eine nennenswerte Zunahme an weiblichen Mitgliedern hatten noch die Schuhmacher mit 690, die Metallarbeiter mit 491, die Tabakarbeiter mit 422 – wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass die für 1899. angegebene weibliche Mitgliedschaft auf Schätzung beruhte –, die Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter mit 390, die Schneider mit 276, die Holzarbeiter mit 205 etc. Auf die übrigen betreffenden Zentralisationen entfällt ein Mehr an weiblichen Mitgliedern, das von 4 (Lagerhalter) bis 93 (Porzellanarbeiter) geht. Besonders erfreulich dünkt uns die Zunahme organisierter Arbeiterinnen in den Verbänden der Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter und der Porzellanarbeiter, weil beide 1899 einen ansehnlichen Verlust an weiblichen Mitgliedern um 572, bzw. 155 erfahren hatten. In welchem Maße sich das Verhältnis der organisierten Arbeiterinnen zu den weiblichen Berufstätigen in den einzelnen Berufen verschoben hat, kann auf Grund der vorliegenden Ziffern nicht ohne Weiteres verglichen werden. Die Berechnung der Zahl der weiblichen Berufsangehörigen ist 1899 auf Grund der Berufszählung, im letzten Jahre aber auf Grund der Gewerbezählung von 1895 erfolgt. Die Zahl der Buchbinderinnen, Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiterinnen, Porzellan -, Schuh -, Tabak -, Textilarbeiterinnen etc. ist in der Folge eine höhere, als 1899 berechnet worden, die der Handschuhmacherinnen, Metall -, Glas -, Holzarbeiterinnen, Vergolderinnen etc. eine niedrigere. Dieser Umstand darf bei Vergleichung des Prozentsatzes der organisierten Arbeiterinnen in den einzelnen Berufen nicht außer Acht gelassen werden, da er hier und da das Resultat in etwas günstigerem oder ungünstigerem Lichte erscheinen lässt. Dagegen ist er für das Gesamtverhältnis der organisierten Arbeiterinnen zur Zahl der weiblichen Berufsangehörigen herzlich belanglos. Basiert man die diesbezügliche Berechnung wie 1899 auf die Ergebnisse der 1895er Berufszählung, so sind statt 2,76 Prozent reichlich 2,78 Prozent der Arbeiterinnen organisiert. 1899 umfassten die Verbände 2,35 Prozent der weiblichen Berufsangehörigen. Der Zunahme der weiblichen Organisierten im Berichtsjahr um noch nicht ½ Prozent steht bei den Männern ein Plus an Gewerkschaftern um mehr als 4 Prozent gegenüber (13,56 gegen 17,88 Prozent).

Es ist nicht nur die Jugend der gewerkschaftlichen Arbeiterinnenorganisationen in Deutschland, die uns in den vorgelegten Ziffern entgegentritt. Es sind vor Allem auch die sehr großen, besonderen Schwierigkeiten, welche den gewerkschaftlichen Zusammenschluss der Arbeiterinnen hemmen. Schwierigkeiten, die teils bedingt werden durch die rückständige persönliche Entwicklung der Arbeiterin und ihre Sonderaufgaben als Frau und den dadurch gegebenen Doppelkreis an Pflichten; teils durch die falsche Bewertung der Erwerbsarbeit als eines Durchgangsstadiums vor der Ehe; durch das hohe Maß der kapitalistischen Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft: die Isolierung breiter Arbeiterinnenschichten in der Heimarbeit etc. Wir haben seiner Zeit diese Schwierigkeiten ausführlich erörtert. („Schwierigkeiten der gewerkschaftlichen Organisierung der Arbeiterinnen„, Nr. 18, 19, 22 und 24 der „Gleichheit“ 1898.) Mit ihnen müssen die Bestrebungen zur gewerkschaftlichen Gruppierung der Arbeiterinnen in allen Ländern rechnen. In Deutschland aber gesellte sich ihnen all diese Jahre noch ein besonderes Hindernis hinzu, das auch jetzt keineswegs völlig beseitigt ist: die reaktionäre Vereins- und Versammlungsgesetzgebung vieler Bundesstaaten. Wir verweisen nur darauf, wie bedeutend Polizeischneidigkeit im vergangenen und diesem Jahre die Organisierung der Schuharbeiterinnen, Schneiderinnen, Näherinnen etc. in Posen erschwert hat.

Wenn wir neuerlich an die Hemmnisse erinnern, mit denen die Gewerkschaften bei der Organisierung der Arbeiterinnen rechnen müssen, so wahrlich nicht, um hier Laue und Flaue zu entschuldigen. Vielmehr um zur höchsten Kraftentfaltung anzuspornen. Genaue Kenntnis der Schwierigkeiten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung. Und genaues Abwägen der Schwere unserer Arbeit bewahrt vor Enttäuschungen und mahnt zum Einsetzen der erforderlichen ganzen Kraft.

Mit ganzer Kraft denn ans Werk, um die Massen der Arbeiterinnen organisationsfähig zu machen! Deshalb: Kampf für volles Vereins- und Versammlungsrecht beider Geschlechter; für Ausdehnung des gesetzlichen Arbeiterinnenschutzes und möglichste Einschränkung und Sanierung der Heimarbeit; für bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere höhere Entlohnung und kürzere Arbeitszeit der erwerbstätigen Frauen und Mädchen; für Entlastung der Proletarierinnen von wirtschaftlichen Bürden des Haushaltes. Mit ganzer Kraft ans Werk, um immer größere Kreise der deutschen Arbeiterinnen den Gewerkschaften zuzuführen und sie innerhalb derselben zu einsichtigen, überzeugten Gewerkschaftlerinnen heranzubilden. Deshalb: Agitation und nochmals Agitation unter den Arbeiterinnen, und agitatorische, organisatorische Kleinarbeit! unter ihnen und nochmals diese Kleinarbeit! Agitation und Kleinarbeit, aber in nie erlahmender Geduld, Treue und Opferfreudigkeit. Die Vorstände vieler großer Gewerkschaften, allen voran in rühmlichstem Eifer die Generalkommission, lassen es nicht an ernsten Bemühungen und großen Opfern fehlen, die Arbeiterinnen gewerkschaftlich zusammenzuschließen. An jeder Zweigorganisation liegt es, diese Bemühungen nachdrücklichst zu unterstützen durch gewissenhafte Vorbereitung jeder geplanten Agitation; durch sorgsame Pflege der Klein- und Alltagsarbeit unter den Arbeiterinnen, insbesondere auch durch Werkstubenagitation unter Mitwirkung gewerkschaftlich geschulter Frauen; durch Heranziehung der weiblichen Mitglieder zu Vertrauensposten; durch Einrichtungen, welche einen festeren persönlichen Zusammenhang zwischen der einzelnen Arbeiterin und der Gewerkschaft schaffen. An jedem einzelnen Gewerkschafter, mit aller Energie die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiterinnen zu fördern. Noblesse oblige, Adel verpflichtet. Gewerkschaftersein adelt und verpflichtet. Es verbindet jeden Einzelnen zur regsten Agitation unter den Schwestern wie Brüdern der Fron, es verbindet zu einer würdigen und kameradschaftlichen Führung gegen dieselben. Je mehr die Arbeiterin in dem organisierten Arbeiter den gebildeteren und charaktervolleren Arbeiter schätzen lernt, der ihr in brüderlicher Achtung und Hilfsbereitschaft zur Seite steht, um so eher, um so fester schließt sie sich der Organisation an. An den Genossinnen schließlich, überall mit allen Mitteln und voller Seele für die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiterinnen zu wirken. Nicht Allen, die mit zehrender Inbrunst die Befreiung des Proletariats aus den Ketten der Lohnsklaverei herbeisehnen, ist es gegeben, auf politischem Blachfelde für ihre Ideale zu fechten. Nicht Allen auch ist es gegeben, die gewerkschaftliche Agitation großen Stils mit tragen zu helfen, mit zündenden Worten Hunderte, Tausende zum bewussten Leben ihrer Klasse zu erwecken, mit neuem Mute, höherer Begeisterung zu beseelen. Aber Allen, die klarer Erkenntnis und guten Willens sind, eröffnet die gewerkschaftliche Klein- und Alltagsarbeit ein schier unbegrenztes Feld segensreichsten Wirkens. Hier kann sich auch die kleinere Kraft mit dem größten Nutzen betätigen, das noch schüchterne Wollen hervorwagen und entwickeln, die Lehrende lernen und zur Bewältigung größerer Aufgaben heranreifen. Hier steht ein Tätigkeitsgebiet offen, das dem mütterlichen Pflichtkreis in der Familie verwandt ist und doch zur Entfaltung des höchsten Gemeinsinns treibt. Und was weibliches Wirken ans diesem Gebiete in der Stille schafft, das kann sich an Wert und Bedeutung getrost neben die Leistungen in der Öffentlichkeit stellen, die jubelnder Beifall umbraust. Nicht die müde Verdrossenheit enttäuschter Hoffnungen darf aus dem Bericht der Generalkommission in die Seelen der Genossinnen schleichen. Vielmehr müssen sie aus ihm die eindringliche Mahnung entnehmen: Kämpft für die bessere Organisationsfähigkeit der Arbeiterinnenmassen, pflegt und fördert treu Agitation und Kleinarbeit unter den Arbeiterinnen. Mehr Leistungen, bessere Leistungen in jeder Hinsicht sei ihre Losung.


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