(66. Sitzung, Sonnabend den 14. Februar 1891)
[Nr. 1210. Stenografische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. 8. Legislaturperiode. I. Session 1890/91. Dritter Band. Berlin 1891, S. 1517-1518]
Präsident: Das Wort zu einer persönlichen Bemerkung hat der Herr Abgeordnete Bebel.
Abgeordneter Bebel: Es ist mir allerdings neu, dass der Herr Abgeordnete Freiherr von Stumm ein eifriger Besucher sozialdemokratischer Versammlungen ist.
(Heiterkeit links. Zuruf rechts.)
Ich bedaure nur, dass die Reden sehr wenig Wirkung gehabt zu haben scheinen.
Ich will ihm nur bemerken: wenn er gesagt hat, er habe deshalb die Äußerung gemacht, weil er meine Reden für langweilig halte, so ist das genau dasselbe, was ich vorhin in meiner Zurechtweisung ihm angedeutet habe. Ob er sie für unangenehm oder für langweilig hält, ist ja seine Sache; ich sage ihm aber noch einmal: liegt ihm nichts daran, so kann er ja vor die Tür gehen.
Dem Herrn Abgeordneten Biehl gegenüber bemerke ich, dass es sich bei mir nicht darum gehandelt hat, die Juden allgemein zu verteidigen oder als Muster hinzustellen, sondern dass ich den Teil der Juden, die als orthodoxe Juden den Sabbat feiern, Ihnen, den Herren vom Zentrum, als Beispiel vorgehalten habe, weil auch Sie bibelgläubig sein wollen und so gern die Lehren der Bibel anführen, in der es doch heißt: „sechs Tage sollst du arbeiten und am siebenten ruhen.“ Sie müssten also annehmen, was wir vorschlagen, während Sie in diesem Punkte den Lehren der Bibel nicht nachkommen. Das Beispiel der orthodoxen Juden habe ich zur Nachahmung Ihnen anführen wollen und habe damit in gar keiner Weise ein besonderes Lob für die Juden verbunden.
Auf der anderen Seite habe ich allerdings die Angriffe, die der Herr Abgeordnete Biehl gegen die Juden richtete, so verstanden, dass sie gegen die Juden im Allgemeinen gerichtet waren. Er wird selbst, wenn er seine Rede nachliest, finden, dass ein Teil seiner Ausführungen in dem Sinne aufgefasst werden musste, wie ich sie aufgefasst habe.
Den Katholiken bin ich in keiner Weise zu nahe getreten. Vielleicht wird Herr Biehl noch finden, dass ich auch in mancher Beziehung mit ihm und seinen Freunden übereinstimme.
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