(64. Sitzung, Donnerstag den 12. Februar 1891)
[Nr. 1207. Stenografische Berichte über die Verhandlungen des Reichstags. 8. Legislaturperiode. I. Session 1890/91. Dritter Band. Berlin 1891, S. 1451-1452]
Präsident: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Bebel.
Abgeordneter Bebel: Meine Herren, ich halte die von mir gemachten Mitteilungen voll und ganz aufrecht. Es ist im Mai des Jahres 1867 gewesen, dass der Freiherr von Friesen in Begleitung eines zweiten Herren, dessen Namen ich nicht kenne und nicht gekannt habe, sich bei mir in meiner Werkstatt zu Leipzig, Peterstraße 18, einführte, nach dem Drechslermeister Bebel fragte und, als ich mich ihm als solchen vorstellte, durch seine Blicke offen seine Verwunderung zu verstehen gab, dass ich derjenige sein sollte, den er suche. Dann aber erklärte er mir, er habe mir eine Mitteilung zu machen in Bezug auf meine Tätigkeit im Reichstag. Da nun meine Werkstatt damals sehr klein war, und einige Arbeiter sich darin befanden, die in der Lage gewesen wären, die Unterhaltung mit anzuhören, so bat er mich, mit ihm herauszutreten auf den Hof, wo er mir die von mir angeführten Erklärungen gab.
Ich will weiter anführen, dass diese Tatsache nicht von meiner Seite, wohl aber von anderer Seite jahrelang in den Wahlkämpfen in Sachsen eine Rolle gespielt hat, dass, als die nationalliberale Partei den Partikularisten und Konservativen noch feindlich gegenüberstand, es insbesondere das „Leipziger Tageblatt“ gewesen ist, welches bei jeder Gelegenheit zirka 10 Jahre lang diese Tatsache der konservativen Partei unter die Nase gerieben hat. Auch bin ich bei verschiedenen Gelegenheiten im Wahlkampfe in der Lage gewesen, die erwähnte Erklärung öffentlich abzugeben. Ich glaube in dieser Beziehung mich auf einen Zeugen, den Rechtsanwalt Otto Freytag, berufen zu können, der aus dem Munde des verstorbenen Freiherrn von Friesen auf Rötha die Tatsache hat bestätigen hören, der im Scherze von „seinem Freund Bebel“ gesprochen haben soll.
Das habe ich gegen Herrn Dr. Mehnert zu erklären.
(Bravo! bei den Sozialdemokraten.)
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