[Militant, 9. und 16. Februar 1979]
Letzte Woche gingen in einer der größten Demonstrationen in der menschlichen Geschichte mehr als drei Millionen Iraner*innen auf die Straßen Teherans, um die Rückkehr des religiösen Führers Ajatollah Khomeini zu begrüßen. In der vorigen Woche hatte es Barrikaden und Kämpfe von Arbeiter*innen mit der Armee gegeben. In Szenen, die an die Februarrevolution 1917 erinnerten, winkten Soldaten, die das alte Regime stützen sollten, den Massen zu und riefen „Wir sind mit dem Volk.“
Iran ist ein Land in den Geburtswehen der Revolution. Die Kräfte, die sich im Kampf gegenüberstehen, sind auf der einen Seite die autokratische Monarchie, die von den Kapitalist*innen- und Großgrundbesitzer*innenklassen unterstützt und von Militär und Polizei gestützt wird. Ihnen gegenüber steht die Arbeiter*innenklasse und Mittelschicht, die auf die moslemische Geistlichkeit, besonders den Ajatollah (heiligen Mann) Khomeini im Pariser Exil schauen.
Die folgende Analyse versucht die wirkliche Lage zu zeigen, die im Iran besteht, und die Hauptwege, denen die Revolution folgen kann. Die Revolution begann in Wirklichkeit vor einem Jahr mit Demonstrationen gegen den Schah und seine verhasste Geheimpolizei SAVAK.
Ein totalitäres System kann sich nur mit Terror und einem System von Spitzeln an der Macht halten, so lange die Massen träge sind. Aber sobald die Massen gegen das Regime in Aktion treten, ist das der Anfang vom Ende. Die monströse Geheimpolizei erweist sich als ohnmächtig angesichts der Bewegung der Massen.
Der Druck von unten erzeugt eine Spaltung an der Spitze unter der herrschenden Klasse. Sie fürchten, dass sie gestürzt werden und versuchen, Reformen von oben einzuführen, um die Revolution von unten zu verhindern. Daher die „Reue auf dem Sterbebett“ durch den Schah und seine verspäteten Reformankündigungen, besonders die Schaffung eines „Parlaments“, das aber trotzdem immer noch der Monarchie untergeordnet war.
Aber diese „Reformen“ öffneten den Weg für den Sturz der Schah-Herrschaft. Sie bereiteten den Weg für das direkte Eingreifen der Arbeiter*innenklasse mit den verschiedenen Schichten der Mittelschicht auf der Bühne der Geschichte.
Der Pahlewi-Monarch musste ruhmlos aus dem Iran fliehen. Das geschah trotz des Widerstands des Imperialismus, besonders des amerikanischen Imperialismus. [Außenminister] Owen und [Premierminister] Callaghan [von der britischen Labour Party] besudelten die Arbeiter*innenbewegung schändlich, indem sie den Schah unterstützten. Ihre wütenden Versuche, die taumelnde iranische Monarchie zu stützen, sind gescheitert.
Natürlich war Öl der Schlüssel für die Politik des britischen und amerikanischen Imperialismus, die ungeheure Investitionen im Iran haben. Iran ist der zweitgrößte Ölexporteur der Welt und wird nur von Saudi-Arabien übertroffen. Dieses Öl ist entscheidend für die Staaten des westlichen Kapitalismus und ist einer der Faktoren, der die Politik des britischen und amerikanischen Imperialismus in Bezug auf den Iran entscheidet.
Es ist der viertgrößte Ölproduzent der Welt. 1976 erzeugte der Iran 295 Millionen Tonnen (10 Prozent der Weltproduktion), die Sowjetunion erzeugte 515 Millionen Tonnen (17,6 Prozent), die USA produzierten über 404 Millionen Tonnen (13,8 Prozent) und Saudi-Arabien produzierten fast 422 Millionen Tonnen.
Übergang
Die Schah-Herrschaft nach 1953 führte dazu, dass der Iran ein Land im Übergang wurde. Er ist ein halbkoloniales Land geworden, halb industrialisiert und halb kolonial. Er blieb unter der Vorherrschaft des amerikanisch-englischen Imperialismus, versuchte aber, selbst einen imperialistischen Weg zu gehen. Zum Beispiel nahm der Iran ein paar Inseln im Persischen Golf nach dem Rückzug des britischen Imperialismus aus dieser Weltregion ein und versuchte, die Rolle eines Polizisten der Golfstaaten zu spielen.
Der Schah hielt sein Regime aufrecht, indem er in Form der SAVAK, der Geheimpolizei, ein Werkzeug von Terror und Unterdrückung vervollkommnete. Sie konnte mit ihren teuflischen Foltern, Ermordungen, Hinrichtungen und den Schrecken, die sie dem iranischen Volk auferlegte, am besten mit der Gestapo verglichen werden.
Gleichzeitig unternahm der Schah die Industrialisierung des Iran mit halsbrecherischer Geschwindigkeit, um den Iran in eine der Großmächte der Erde zu verwandeln. Das war besonders nach 1973 so, als sich der Ölpreis vervierfachte. Dies gab dem Schah ungeheure Milliardensummen für Investitionen.
Der Schah versuchte, die Rolle des absoluten Monarchen im alten Sinne des iranischen Regimes zu spielen. Gleichzeitig versuchte er, die Wirtschaft des Landes zu modernisieren. Um eine Grundlage zu bekommen, führte er „Bodenreformen“ ein. Diese „Bodenreformen“ bereicherten den Adel, die nicht auf ihren Gütern wohnenden Großgrundbesitzer*innen, die den Iran beherrschen. Sie erhielten ungeheure Reichtümer als Entschädigung, die sie in der Industrie investieren konnten. Die Idee war, den Adel in eine Kapitalist*innenklasse zu verwandeln, eine herrschende Klasse nach dem Modell des Westens.
Das wirkliche Motiv hinter der Bodenreform war, die Bäuer*innen vom Land zu vertreiben, um Arbeiter*innen für die Fabriken zu haben. Wie der Economist kommentierte: „An Stelle der Dorffamilie des Iran ließ er (der Schah) seinen früheren Ministerpräsidenten Herrn Hovieda trennende Farmlager stellen, die den ganzen Geist der Bodenreform untergruben.“
Die massive Industrialisierung, die unter dem Schah begonnen wurde, verwirrte völlig die, die beanspruchten oder versuchten, die iranischen Arbeiter*innen zu führen. Das gilt besonders für die Kommunistische Partei (genannt Tudeh-Partei). Während der ganzen Herrschaft des Schah verhielt sie sich, als wäre sie tot. Sie vertrat überhaupt keine unabhängige Politik. Dies ist durch die Außenpolitik der russischen Bürokratie zu erklären. Die Tudeh-Partei im Iran ist eine Partei, die weitgehend von der russischen Bürokratie beherrscht wird.
Die russische Bürokratie wollte keinen Konflikt mit dem amerikanischen Imperialismus im Iran wegen der ungeheuren Bedeutung des Iran als Ölproduzent. Schon vor langer Zeit gab die Sowjetunion jeden Gedanken an revolutionäre Entwicklungen auf, die die entscheidenden Interessen des Imperialismus direkt bedrohen würden, wegen der unausweichlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und Amerika, die unter diesen Umständen stattfinden würde.
„Regenbogenpresse“
Die „Regenbogenpresse“ in Britannien hatte Unrecht zu behaupten, die Ereignisse würden stattfinden wegen der Intervention und Subversion der russischen Bürokratie oder der Sowjetunion und der Kommunistischen Partei.
Die russische Bürokratie versuchte im Gegenteil, den Schah zu stützen. Sie betrieben einen einträglichen Handel mit dem Schah, ließen ungeheure Mengen Erdgas aus dem Iran in die Sowjetunion exportieren und versuchten allgemein, freundliche Beziehungen zum Schah aufrecht zu erhalten. Sie schauten misstrauisch auf revolutionäre Entwicklungen in einem Nachbarland, besonders einem mit einer großen Arbeiter*innenklasse, die im Verlauf dieser Ereignisse ihren revolutionären Charakter zeigte.
Das geänderte Kräfteverhältnis im Weltmaßstab hat dazu geführt, dass die sowjetische Bürokratie unermessliche Macht aufgehäuft hat, während der amerikanische Imperialismus geschwächt ist. Die sowjetische Bürokratie war zwar nicht bereit, irgend welche Maßnahmen selbst zu ergreifen, warnte aber vor einer direkten Intervention von Seiten des amerikanischen Imperialismus in die Angelegenheiten des Iran. Dies, unterstrichen sie, würde eine sofortige Antwort durch die Sowjetunion erregen, die dann Truppen in den Iran senden würde.
Diese Warnung von Seiten der sowjetischen Bürokratie wurde von den Diplomaten der USA beachtet. Die Unzurechnungsfähigen im Pentagon hatten vorgeschlagen, dass Flugzeugträger und Schiffe mit Marineinfanteristen in den persischen Golf gesandt werden sollten mit dem Ziel der Intervention gegen die iranische Revolution. Dies wurde vom Außenministerium abgelehnt, das verstand, welche Rückwirkungen dies im Weltmaßstab in der kolonialen Welt haben würde, und selbstverständlich die Rückwirkungen im Iran und auf die Sowjetunion.
Dies zeigt die abnehmende Macht des Imperialismus. Der amerikanische Imperialismus zögerte nicht, in Vietnam oder im Libanon oder in Dominica zu intervenieren. Jetzt waren wegen inländischen und internationalen Faktoren die amerikanischen Imperialist*innen machtlos, direkt in die Angelegenheiten des Iran zu intervenieren.
In dieser Lage ist die Hauptbeschäftigung der KP, der religiösen Reaktion und dem Ajatollah hinterherzulaufen, wenn sie die Errichtung einer Art „demokratischer moslemischer Republik“ fordern.
Aber es ist nicht nur die iranische Kommunistische Partei, die im Iran während der jüngsten Ereignisse eine schwache Reaktion gezeigt hat. Die linksextremen Sekten haben auch, wie üblich, eine negative Rolle gespielt. Einige von ihnen haben den „revolutionären“ Student*innen im Iran Sympathie und Unterstützung gegeben.
Student*innen
Aber revolutionäre Student*innen im Iran wurden von den Sekten weder in Richtung auf die Arbeiter*innenklasse noch auf ein Programm der Arbeiter*innenaktion orientiert, sondern ihnen wurde im Gegenteil gesagt, sie sollten sich den ohnmächtigen Methoden des individuellen Terrors zuwenden. Wie immer bei den Sekten betrachteten sie die Arbeiter*innenklasse als ohnmächtig, unwissend, ungebildet und völlig machtlos, das Kräfteverhältnis zu ändern, das im Iran bestand. Ihre Vorstellungen wurden dadurch verstärkt, dass die Arbeiter*innenklasse vor der gegenwärtigen Entwicklung der Ereignisse vollständig unorganisiert war.
Das Argument der Sekten und derer, die sich dem individuellen Terror zuwandten, war, dass der Schah industrialisierte und daher alle Karten in seinen Händen habe. Der Schah hatte den Lebensstandard der Arbeiter*innenklasse erhöht. Der Schah hatte der Arbeiter*innenklasse und auch der Bäuer*innenschaft ungeheure Zugeständnisse gemacht. Dies wiederum führte zur Stabilität seines Regimes. Sie erklärten, dass der Schah sich als Folge der „weißen Revolution“ und der Entwicklung der Industrie für Jahrzehnte behaupten könne. Übrigens wurde diese Idee von den Imperialist*innen ebenso geschluckt. Z.B. gab die CIA noch im September 1978 einen Bericht heraus, wonach der Schah ein stabiles Regime habe und die Macht für mindestens weitere 10 bis fünfzehn Jahre behalten würde!
Die wirkliche Tragödie des Iran ist die Tatsache, dass es keine Sektion von Marxist*innen gab, weder in den Reihen der Arbeiter*innenklasse noch der Student*innen, die sich auf diese großen Ereignisse vorbereiteten, wie Lenin und die Bolschewiki sich in Russland vorbereitet hatten.
Die kurzsichtigen Sekten konnten nur Düsternis und Untergang in der enormen Entwicklung der Industrie sehen. „Militant“ andererseits erklärte, dass die Entwicklung der Industrie auch die Macht der Arbeiter*innenklasse ungeheuer erhöhte, eine Macht, die in der neuen Periode in Britannien, Spanien, den Vereinigten Staaten, Japan und der Bundesrepublik Deutschland gezeigt worden ist.
Die Massenstreiks sind ein beredtes Zeugnis für das Erwachen und die Macht der Arbeiter*innen.
Die unbeschreiblichen Folterungen, das Fehlen von Rechten und Freiheit, die von den Massen und besonders der Arbeiter*innenklasse des Iran erlitten Demütigungen haben eine unaufhaltsame Bewegung der Massen erregt. An der Oberfläche saß der Schah fest im Sattel, und dies war leider das Einzige, was die Radikalen im Iran sehen konnten.
Schließlich hat erst vor ungefähr sechs bis acht Monaten der Schah Großbritannien Ratschläge gegeben, wie man mit Streiks und der „permanente Instabilität“ der „demokratischen Institutionen in Großbritannien“ fertig wird!
Der alte Maulwurf der Revolution jedoch untergrub die scheinbare totalitäre Ruhe, die es im Iran gab. Die CIA und der Imperialismus wurden wie die Organisationen der Arbeiter*innenklasse im Schlaf überrascht.
Dennoch gab es in den letzten Jahren viele Symptome für die Krise des Regimes. Wegen dem Verbot aller zur „Partei“ des Schah oppositionellen Organisationen, sammelte sich die Opposition tendenziell in den Moscheen. Dies ist besonders so für die Bäuer*innen, die Mittelschicht, und sogar für die Opposition der Kaufleuteklasse zum Regime des Schah.
Wegen dem Versagen der Kommunistischen Partei und der Radikalen, die Organisation von Opposition innerhalb der Reihen der Arbeiter*innenklasse auch nur zu versuchen, kam Unzufriedenheit in den Moscheen an die Oberfläche. Radikale Predigten wurden gehalten, die zwar wolkig und neblig waren, aber von den Massen auf ihre eigene Art und Weise gedeutet wurden.
Der Schah enteignete den Grundbesitz der Geistlichkeit. Dies nutzte nicht den Bäuer*innen, sondern nur dem Adel. Das bedeutete, dass die Ajatollahs oder heiligen Männer, die Hauptvertreter der moslemischen Geistlichkeit im Iran, in Opposition zum Regime gezwungen wurden.
Die Massen deuteten die Predigten der Mullahs so, dass sie wirklich für einen Kampf gegen das totalitäre und autoritäre Regime des Schah stünden. Die Mullahs vertreten die Forderung nach der Wiedereinführung der Verfassung von 1906.
Man muss sich erinnern, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung im Iran Analphabet*innen sind. Dieses ist eine Folge der Erbschaft vom Fäulnis des alten Regimes der Großgrundbesitzer*innen und des Adel.
Demonstrationen
Zwischen Oktober 1977 und Februar 1978 gab es die illegalen Massendemonstrationen, die demokratische Rechte verlangten. Dann gab es auf die letzten Monate 1978 zu große Bewegungen der Student*innen, der Kaufleute und jetzt auch der Arbeiter*innenklasse. Mit den religiösen Feiertagen als Vorwand begannen Demonstrationen von Tausenden stattzufinden. Die Unterdrückung durch die Kräfte des Schah, durch die Armee und die Polizei, stachelte bloß die Bevölkerung auf und führte zu immer größeren Bewegungen in Teheran und in allen Städte des Iran.
Als der Kampf sich vertiefte, wurde die Bewegung der Arbeiter*innenklasse, wie in Russland, der Hauptrammbock für das Erwachen des Volks. In der ersten russischen Revolution von 1905 begann die Revolution mit einer Demonstration unter der Führung des Priesters Vater Gapon mit der Forderung nach Zugeständnisse und der Lösung der Probleme durch „Väterchen“ Zar. Dies provozierte das Schießen der Armee auf das Volk; Hunderte wurden getötet und Tausende verwundet und die russische Revolution von 1905 hatte begonnen. So hatten wir auf gleiche Weise den Beginn der Revolution im Iran.
Jedoch gibt es wichtige Unterschiede zwischen Russland 1905 und der gegenwärtigen Bewegung im Iran. Die iranische Revolution hat mit einem weit höheren Bewusstsein auf Seiten der Massen angefangen. Die Masse der Leute bat nicht „ihren Vater“, den Schah, sondern forderte im Gegenteil das Ende des Monarchie. Ihre Slogans waren „nieder mit dem Schah“ und „Tod dem Schah“.
Die Arbeiter*innenklasse im Iran ist im Verhältnis zur Bevölkerung viel größer als die russische Arbeiter*innenklasse vor der Revolution von 1917. Es gibt zwei Million iranische Arbeiter*innen alleine in der Industrie und eine weitere Dreiviertelmillion in Transport und anderen Branchen. Zusätzlich gibt es weite Kreise, die der Arbeiter*innenklasse nahe stehen in Verwaltungsberufen, im Staatsdienst, in der Lebensmittelversorgung und in den Kleinbetrieben dieser Art.
Der Großteil der verarbeitender Industrie im Iran ist klein, aber dennoch gibt es bestimmte riesige Monopole, die die Bühne beherrschen. Einige beschäftigen Hunderte, Tausenden und sogar Zehntausenden Arbeiter*innen. In Russland war die Arbeiter*innenklasse nur vier Million bei einer Bevölkerung von 150 Million. Im Iran ist die Arbeiter*innenklasse mindestens drei bis vier Million stark bei einer Bevölkerung von 35 Millionen.
Mit anderen Worten ist das Kräfteverhältnis für die Arbeiter*innenklasse, was ihre zahlenmäßige Stärke betrifft, im Iran sogar günstiger als er in Russland 1905 oder 1917.
Arbeiter*innen
Aber andererseits gab es in Russland die bolschewistischen Kader und die Bolschewistische Partei und ein gewisses sozialistisches Bewusstsein, mindestens in den fortgeschrittenen Schichten der Arbeiter*innenklasse.
Die Rolle der Arbeiter*innenklasse in der Produktion bedeutet unvermeidlich, dass sie ein Kollektivbewusstsein sowohl im Prozess der Arbeit als auch beim Kampf gegen ihre Unterdrücker entwickelt. Dies ist der Grund, warum es nur die Arbeiter*innenklasse ist, die die Gesellschaft ändern kann.
Vor allem hat die Bewegung der Ölarbeiter*innen, des sogenannten privilegierten Teils der Arbeiter*innenklasse im Iran, tatsächlich das Regime entscheidend untergraben. In den letzten zwei Monaten hat es periodische Generalstreiks auf den Ölfeldern gegeben. Trotz der Armeeunterdrückung, der Verhaftung der führenden Vertreter*innen und der Erschießungen sind die Ölarbeiter*innen fest geblieben und haben die Arbeit zur Erzeugung des Öls für das verhasste Regime verweigert, bis der Schah gehen würde. Immer wieder haben die Massen einschließlich der Mittelschicht demonstriert.
SAVAK
Die Staatsangestellten und Bankbeschäftigten haben wie in Portugal ein Schlüsselrolle gespielt, um die absolute Monarchie in die Knie zu zwingen. Ihr Streik führte zur Lähmung der Finanzen des Landes. Der Streik besonders der Zentralbank im Iran war sehr wirkungsvoll. Dies folgte auf das Niederbrennen von 400 Banken durch die aufgebrachten Massen.
Die Bankangestellten enthüllten, als sie streikten, dass in den letzten drei Monaten eine Milliarde Pfund durch 178 Mitglieder der herrschenden Elite einschließlich von Verwandten des Schahs ins Ausland gebracht wurden. Jetzt hat der Schah zur Vorbereitung auf das Exil, nachdem er seine Familie ins Ausland geschickt hatte, eine Milliarde Pfund auf Banken in Amerika überwiesen. Dies zusätzlich zu der Milliarde Pfund, die Banken in Frankfurt, der Schweiz und in anderen Teilen der Welt haben. Der iranische Staat ist durch die Autokratie geplündert worden.
Die Revolution hat die meisten Teile der Nation abgesehen von der Handvoll der Kapitalist*innen, Großgrundbesitzer*innen, Unterstützer*innen des Monarchen und der Masse der Armeeoffiziere mit einbezogen. Die Kaufleute und die kleinen Ladenbesitzer*innen sind durch die Entwicklung des modernen Kapitalismus im Iran ruiniert worden. Dies hat ihren Hass auf den absoluten Herrschers angeheizt, den sie als die Quelle ihres Elends sehen. Tausende sind durch die Unterdrückung durch Staatskräfte, Polizei, SAVAK und Armee getötet worden. Jede Stadt im Iran hat Demonstrationen gesehen, hat Schüsse auf diese Demonstrationen und den Versuch gesehen, Reaktion gegen die Arbeiter*innenklasse und gegen das Volk zu organisieren.
In vielen der kleineren Städte gab es faschistische Angriffe durch Armee und Polizei mit ausgewählten Schlägern, ähnlich den Schwarzhundertschaften in Russland vor der Revolution. Sie sind für Misshandlungen und Vergewaltigung zur Terrorisierung der Dorfbewohner*innen und der Arbeiter*innenklasse in den kleinen Städten im Iran benutzt worden. Ohne Zweifel wären ähnliche Methoden in den großen Städte verwendet worden, wenn sie damit durchkommen würden.
Der Schah spendete die (für ihn) klägliche Summe von 25 Millionen Pfund für eine Wohltätigkeitsstiftung, um sich einen guten Ruf und eine gute Erinnerung zu schaffen. Aber selbstverständlich, als er ins faktische Exil ging, wollte er, der den Luxus des Regimes gewohnt war, nicht arm sein und nahm etwas Kleingeld mit – eine Milliarde Pfund.
Millionen
Die Tendenz war in allen modernen Revolutionen, dass die Masse in Millionen auf die Straßen geht. So die Demonstrationen in Portugal von mehr als einer Million nach dem Fall des Caetano-Regimes. Im Iran haben Millionen demonstriert. Nach den voreingenommenen Berichten der kapitalistischen Presse haben mindestens ein bis zwei Millionen in den Straßen von Teheran zum Sturz des Schah demonstriert. Hunderttausende haben in allen Städten im Iran mit einer nennenswerten Bevölkerung demonstriert, Zehntausende in den kleineren Städten des Iran. Dies ist eine Bewegung der Armen, der Enteigneten, der Ausgebeuteten, einschließlich der Arbeiter*innen, der Mittelschicht, der Angestellten, der Kaufleute, und sie zog sogar einen Teil der Kapitalist*innen für ihre eigenen Zwecke und zu ihren eigenen Zielen in die Bewegung hinein. Sie möchten auf den Rücken der Arbeiter*innen und der Mittelschicht nach oben klettern.
Teil Zwei: Nur eine marxistische Partei fehlt
Letzte Woche sah den Fall der Bachtiar-Regierung. In den zwei größten Städten des Landes, Teheran und Isfahan, ging die Macht auf die Straße über. Die Streitkräfte mussten sich in die Kasernen zurückziehen, weil sie sich unter dem Einfluss der Revolution aufzulösen drohten. Der folgende Artikel, geschrieben vor dem Fall Bachtiars, sagte seinen Abgang voraus und analysiert, welchen Kurs die sich entwickelnde iranische Revolution nehmen könnte.
Die Flucht des Schah kennzeichnet das Ende der ersten Phase der Revolution. Es ist ein reaktionärer Traum von Seiten des Schah, dass er trotz Bachtiars Manövern ein schnelles Comeback haben könne.
Die Monarchie im Iran ist als Ergebnis der Exzesse, der Korruption, der Grausamkeit, der Folter des letzten Vierteljahrhunderts endgültig hinausgeworfen worden. Sie wird nie wieder vom Volk des Iran geschluckt werden, solange es noch ein Minimum an Rechten besitzt.
Das entscheidende Merkmal der iranischen Revolution wie bei allen Revolutionen war die Rolle, die die Armee gespielt hat. Es ist klar, dass der Schah praktisch die Macht abgetreten hat, weil es unmöglich gewesen wäre, die Kontrolle über die Armee länger zu behalten. Die Armee brach an vielen Stellen. Hier sehen wir wieder die völlige Falschheit der Position des Reformismus, der erklärt, dass Revolution unter modernen Bedingungen wegen der Rolle der Armee unmöglich sei.
Die moderne Armee ist empfänglicher für Bewegungen auf Seiten des Volks, auf Seiten der Arbeiter*innenklasse als jede Armee in der Geschichte. Es geht nicht mehr um die „arme blutige Infanterie“, Fußsoldaten ohne wirkliche Ausbildung, ohne wirkliches Verständnis. Im Gegenteil muss die Armee in hohem Grade spezialisiert und in hohem Grade mechanisiert sein. Sie machen Aufgaben wie andere Arbeiter*innen und denken wie Arbeiter*innen.
Auf diese Weise neigt die Armee sehr dazu, auf die Bewegungen der Arbeiter*innen zu reagieren. Die Armee besteht aus den Söhnen, Brüdern und Verwandten der Arbeiter*innen, der Bäuer*innen und der Mittelschicht. Wir sehen in jeder Revolution der Geschichte, besonders in der russischen Revolution von 1917 und der deutschen Revolution von 1918, wie die Massen der Streitkräfte auf die Seite des Volks überliefen, als sie die Möglichkeit eines völligen Bruchs mit dem alten Regime sahen.
Im Iran gab es Vorfälle wie den, als ein Soldat zwei seiner Offiziere erschoss, als der Befehl gegeben wurde, das Feuer auf die Demonstration zu eröffnen, und dann Selbstmord beging.
Andererseits gab es die Bewegung der Massen, aber keinen klaren Aufruf an die Armee, auf die Seite des Volks überzugehen. Als Folge fühlten sich die Soldaten noch unter der schweren Hand der Militärdisziplin und der Drohung mit Kriegsgericht wegen Auflehnung.
Es gab viele Vorfälle, bei denen Soldaten an Demonstrationen teilnahmen oder Demonstrant*innen erlaubten, auf die Panzer zu klettern. Andere Vorfälle zeigten entgegengesetzte Merkmale. Offiziere erschossen fünf Kadetten, weil sie versuchten, die Kasernen zu verlassen, um sich die Demonstrationen anzuschließen.
In vielen Fällen gab es in den größeren Städten des Iran ähnliche Ereignisse, wo Truppen das Schießen ablehnten, sich Teile der Truppen [mit den Demonstrant*innen] verbrüderten und Teile der Armee gegen ihre Offiziere vorgingen. Auch viele der Unteroffiziere haben Sympathie für die Bewegung der Massen.
| Wirtschaft Wachstum: 1972 – 17.300 Millionen Dollar BSP 1978 – 54.600 Millionen Dollar BSP Struktur: Produzierende Industrie 16 Prozent des BSP Dienstleistungen 39 Prozent des BSP Öl: 77 Prozent der Staatseinnahmen 87 Prozent der Deviseneinnahmen 38 Prozent des BSP Investitionen: 60 Prozent der Industrieinvestitionen staatlich [1975] |
Der Grund, warum die Armee nicht auf die Seite der Arbeiter*innenklasse, die Seite des Volks überging, wie in Russland 1917 und in Deutschland 1918, ist, dass es keine Organisation gab, die eine Führung bieten konnte.
Wäre den Arbeiter*innen und Soldaten eine sozialistische Alternative angeboten worden, hätte sich ohne Zweifel die ganze Lage im Iran geändert . Millionen Flugblätter hätten an die Soldaten herausgegeben werden können. Sogar mit einer Organisation von einigen Hundert oder Tausend Mitgliedern, konnten Millionen Flugblätter für die Arbeiter*innen und Soldaten herausgegeben werden. Sie hätten die Fragen erklären können, vor denen der Iran gegenwärtig steht, und unter diesen Umständen wäre es fast unvermeidlich, dass die Armee auf die Seite des Volks übergegangen wäre.
Die Revolution wird wie die spanische Revolution von 1931-37 viele Hochs und Tiefs haben. Die Massen können nach einer Periode des Kampfes zurückgeschlagen werden. Die Reaktion könnte sich festigen.
Aber es wird der Armee nicht in der unmittelbaren Zukunft möglich sein, eine Militärdiktatur zu errichten, wie es der imperialistische Westen gerne hätte. Jeder Versuch zur Militärdiktatur würde durch eine noch heftigere Bewegung der Massen beantwortet werden und zu einer Spaltung in der Armee führen.
Die Reife der Lage im Iran für die sozialistische Revolution zeigt sich durch die Tatsache , dass die Liberalen, die sogenannte Nationale Front des Iran, tatsächlich ein „sozialistisches“ oder halb-sozialistisches Programm übernehmen mussten. Es wäre wie wenn die Kadetten (die Liberalen in Russland vor 1917) in einer einzigen Partei mit den Sozialrevolutionär*innen (der Partei der radikalen Bodenreform) vereinigt wären, und behaupteten, eine sozialistische Partei zu sein.
Aber wie die Liberalen in Russland zeigen die Führer der Nationalen Front, die wie Sandschabi aus den oberen Schichten der Mittelschicht (oder sogar aus der Kapitalist*innenklasse) kommen eine ungeheure Furcht vor den Massen. Bachtiar, der formell aus der Nationalen Front ausgeschlossen wurde, hat dennoch eine Regierung mit Hilfe und Unterstützung des Schah und die Armee gebildet.
Sandschabi würde ebenso wie Bachtiar gerne die Monarchie beibehalten. Sie sehen die Monarchie, die in einem gewissen Umfang zu einer konstitutionellen Monarchie gezähmt ist, als Bollwerk gegen die Revolution, gegen die Arbeiter*innenklasse. Sie haben die klassische Rolle der Liberalen in der Revolution beibehalten. Ihre Hauptbemühungen sollen die Revolution dämpfen und eine Änderung des Regimes ohne Änderung der grundlegenden Strukturen der heutigen Gesellschaft kriegen.
| „Die [Kommunistische] Tudeh-Partei hat eine Erklärung veröffentlicht, die der Forderung des Ajatollah Khomeini nach der Errichtung islamischer Revolutionsräte im ganzen Land volle Unterstützung gibt… Die Tudeh-Partei sagte, sie fand das politische Programm von Ajatollah Khomeini (und besonders die von ihm in Reden und Interviews in den letzten paar Wochen eingenommene Position) in Übereinstimmung mit der Position, die sie selbst eingenommen hatte. Die Erklärung führte acht kürzliche Stellungnahmen des Ajatollah auf – die sein Ziel der Schaffung einer „freien und unabhängigen islamischen Republik“, die „neutral und blockfrei sein wird“, behandelten – und sagte, die Tudeh-Partei würde jede Regierung unterstützen, die ein Programm zur Verwirklichung dieser Ziele übernimmt.“ „Morning Star“ [Zeitung der britischen Kommunistischen Partei], 27. Januar 1979 |
Wir sehen im Iran zum Ausdruck kommen, was Trotzki das Gesetz der kombinierten Entwicklung nannte. Alle Elemente für die sozialistische Revolution sind da. Die Liberalen können die Ziele und die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen oder auch nur der Bäuer*innen nie verwirklichen. Letztlich sind sie Vertreter*innen der Kapitalist*innenklasse und des Finanzkapitals.
In einem Interview erklärt Sandschabi, der Führer der Nationalen Front:
„Wir in der Nationalen Front möchten die Armee beibehalten, wünschen eine starke Armee und möchten nichts tun, die Armee zu entmutigen … wir haben nie zur Desertion aufgerufen oder versucht, Disziplinlosigkeit zu erzeugen. Aber es geschieht unvermeidlich und wenn es weitergeht, könnte es gefährlich sein.“
| Reichtumsverteilung Die führenden 45 Familien kontrollieren 85 Prozent der Firmen mit einem Jahresumsatz über 74.000 Pfund 28 Prozent der Iraner*innen haben weniger als das Minimum an Kalorien in ihrer täglichen Nahrung |
Der Imperialismus und selbstverständlich der Schah selbst waren gegen den Versuch, eine Militärdiktatur zu errichten, weil sie sich unter den gegenwärtigen Bedingungen angesichts des Widerstands der Massen überhaupt nicht hätte halten können.
Die Bachtiar-Regierung kann ihrem ganzen Charakter nach nur ein Ersatz- und Übergangsregime sein. Sogar die Imperialist*innen sehen, dass das Bachtiar-Regime sich nicht sehr lange halten kann, folglich machen sie Annäherungsversuche an Ajatollah Khomeini.
Khomeini hat erklärt, dass er nicht eine reaktionäre Militärdiktatur oder eine halb feudale Diktatur errichten möchte. Es ist dieses Element in ihrem Programm, in dem die Mullahs behaupteten, für Freiheit und Demokratie zu stehen, das eine mächtige Anziehungsquelle für die Masse der Mittelschicht und selbstverständlich auch Teile der Arbeiter*innen war.
Aber das utopische Programm von Khomeini kann die Probleme keineswegs lösen, vor denen das iranischen Volk gegenwärtig steht.
Khomeini hat klargemacht, dass er nichts weniger als die Abschaffung der Monarchie akzeptiert. Der Regentschaftsrat, der durch die Bachtiar-Regierung errichtet wurde, wird die Kontrolle nicht behalten oder den Sitz für den Schah warm halten können. Selbst die Abdankung des Schah würde nicht mehr ausreichen. Jetzt ist es eine Frage der Abschaffung der Monarchie.
In der Lage, die im Iran besteht, könnte eine Organisation selbst von Tausend Marxist*innen, Tausend Revolutionär*innen einen entscheidenden Unterschied machen. Es ist möglich, dass solch eine Organisation aus den Kräften kommen könnte, die sich um die Nationale Front sammeln.
Die Nationale Front selbst wird sich unvermeidlich spalten, sobald sie anfängt, eine Massenbasis zu erhalten. Die sogenannte Kommunistische Partei (die Tudeh) ist im Schlepptau der Ajatollahs, besonders des Ajatollah Khomeini. Sie haben keine Perspektive, kein Programm, keine Politik außer der Unterstützung der bürgerlichen Revolution in diesem bestimmten Stadium.
Ohne eine alternative Organisation ist es möglich, sogar wahrscheinlich, dass es ein schnelles Wachstum des Tudeh-Partei gibt. Solch ein Wachstum unter modernen Bedingungen würde zu einer Spaltung innerhalb der Kommunistischen Partei führen. Es wird Widersprüche zwischen den Mitgliedern und den führenden Vertreter*innen geben. Spaltungen werden sich entwickeln, wenn Arbeiter*innenmitglieder in Konflikt mit der Mittelschicht-Führung kommen. Sie möchten den theokratischen Messianismus des Ajatollah ohne Kritik oder eine andere Politik oder Perspektive unterstützen.
Aber die Nacktheit der Liberalen und Mullahs wird sich während der Revolution schnell widerspiegeln.
Revolution ist ihrer Natur nach nicht eine einzige Handlung. Die iranische Revolution erstreckt sich über eine Anzahl von Jahren. Die Massen lernen in der Schule der harten Erfahrung. Die Armee wird radikalisiert, wenn die Soldaten verinnerlichen, dass die Bewegung der Massen die Abdankung des Schah erzwang. Die Armee wird durch die Stimmung der Massen beeinflusst, und es ist den alten Generälen des Schah trotz aller Bemühungen von Khomeini oder den Liberalen nicht möglich, Disziplin wiederherzustellen.
Es ist wahrscheinlich, dass Khomeini an die Macht kommt. Alle Vorwände Bachtiars, dass der Staat nicht die Geistlichkeit eine direkte und vorherrschende Rolle in der Politik spielen lassen könne, sind vergeblich.
Aber wenn er an die Macht gekommen ist, wird sich zeigen, dass die reaktionären und mittelalterlichen Ideen, die Zinsen abzuschaffen, ohne die wirtschaftliche Grundlage der Gesellschaft zu ändern, undurchführbar sind und zu Chaos führen. Es ist völlig utopisch, kommerzielles und industrielles Kapital beizubehalten, und Zinsen oder Wucher abzuschaffen. Sogar im Mittelalter, als die Lehre der christlichen und moslemischen Religion gegen Wucher war, bestand er dennoch in vielen Formen weiter. Es hätte verhängnisvolle Folgen für die Wirtschaft des Iran, solange der Kapitalismus weiterbesteht, und müsste unvermeidlich aufgegeben werden.
| Arbeiter*innenklasse Bevölkerung 34 Millionen. 16 Millionen in städtischen Regionen, 18 Millionen in ländlichen. 53 Prozent unter 20 Jahre. Beschäftigte insgesamt 10,4 Millionen, davon 2,5 Millionen in der produzierenden Industrie, 1 Million im Bauwesen. |
Unterstützung für Khomeini wird wegschmelzen, nachdem er eine Regierung bildet. Das Versagen seines Programms einer moslemischen theokratischen Republik bei der Lösung der Probleme des iranischen Volks wird offensichtlich werden.
Die Massen des Volks erstreben nicht nur demokratische Rechte sondern auch höheren Lebensstandard. Die Gewerkschaften im Iran werden ein explosives Wachstum haben. Schon schießen sie wie Pilze aus dem Boden, da Arbeiter*innen die grundlegende Notwendigkeit von Organisation fühlen. Sie werden in der bevorstehenden Periode mächtigen Umfang erreichen. Genau wie in Portugal, wo jetzt 82 Prozent der Arbeiter*innenklasse in den Gewerkschaften organisiert sind, werden auch im Iran in den kommenden Monaten und Jahren ähnliche Ergebnisse erzielt werden. Vielleicht wird die Mehrheit und sogar die Masse der Arbeiter*innenklasse im Iran organisiert.
Kapitalistische Demokratie kann im Iran unter modernen Bedingungen mit der Krise des Kapitalismus im Weltmaßstab nicht für einen längeren Zeitraum errichtet werden. Die Arbeiter*innen haben schon gelernt und werden im Verlauf des sich entwickelnden Kampfes mehr lernen. Wenn die Massen besiegt werden und eine kapitalistisch-bonapartistische Militärdiktatur errichtet wird, wäre sie nicht stabil, wie wir bei den lateinamerikanischen kapitalistischen Militär- und Polizeidiktaturen und der Diktatur in Pakistan gesehen haben.
Sogar im schlimmsten Fall würde Reaktion den Weg für Rache auf Seiten der Massen zu einem nicht zu entfernten Zeitpunkt vorbereiten. Es wäre eine Neuauflage von 1905 in Russland.
Aber solch eine Katastrophe ist gar nicht nötig. Wenn die Kräfte des Marxismus es schaffen, Unterstützung im Iran zu gewinnen, dann könnte es einen leuchtenden Sieg nach dem Vorbild der Revolution in Russland von 1917 geben.
Eine gesunde Entwicklung der Revolution wäre eine absolute Katastrophe für die Moskauer Bürokratie. Es gibt eine große asiatische Bevölkerung, die dem Namen nach moslemisch oder von der ein Teil moslemisch ist, im asiatischen Teil Russlands und im Kaukasus. Außerdem hätte ein an den Grenzen der Sowjetunion errichteter gesunder Arbeiter*innenzustand im Iran eine sofortige Wirkung auf die Arbeiter*innen in allen Hauptzentren der Sowjetunion – Moskau, Leningrad, Charkow, Odessa, Novosibirsk usw.
Aber das könnte mit der Entwicklung einer marxistischen Tendenz kommen, die die Lehren der letzten 50 Jahre in sich aufgenommen hat, besonders die Lehre des Aufstiegs des Stalinismus in Russland. Die Moskauer Bürokratie wünschte nicht und wollte nicht die Entwicklungen, die im Iran stattgefunden haben.
Aber wenn es eine Möglichkeit der Entwicklung von proletarischem Bonapartismus im Iran gäbe, ein totalitärer deformierter Einparteieinstaat wie in China oder in Russland, würden sie solch ein Geschenk trotz der Komplikationen mit den USA dankbar annehmen.
| Armee Unter dem Schah machte Verteidigung 31 Prozent des Haushalts aus. Streitkräfte 300.000 (3 Prozent der Beschäftigten) SAVAK: Geheimpolizei des Schah |
Dies ist auch einer der Faktoren in der Lage, da der Iran nur ein halbindustrialisiertes Land ist, und weiterhin ein halbkoloniales Land bleibt. Wegen dem Fehlen einer revolutionären Massentradition mit marxistischem Charakter im Iran ist solch eine Entwicklung unter den Unteroffizieren und einem Teil der Elite, die sich auf die Unterstützung der Arbeiter*innen und der Bauern lehnen, möglich.
Moskau wünschte nicht die iranische Revolution, aber es würde sich nicht weigern, die Frucht einer Revolution , die ihre Macht im Mittelmeer, im Nahen Osten und im persischen Golf enorm verstärken würde, anzunehmen. Sie würde ihren imperialistischen Rivalen EG, Japan und den Vereinigten Staaten erklären müssen, dass dies ein kleineres Übel als die Entwicklung einer proletarischen Demokratie im Iran wäre.
Jede marxistische sozialistische Partei würde mit der Forderung nach Organisationsfreiheit, Redefreiheit, freien Wahlen, Pressefreiheit und allen demokratischen Rechten, die von den Arbeiter*innen des Westens über Generationen des Kampfes gewonnen wurden, beginnen.
Sie würden den 8-Stunden-Tag, die 5-Tage-Woche und eine automatische Anpassung der Löhne an Preissteigerungen verlangen. Dies würde mit der Forderung nach einer revolutionären Verfassunggebenden Versammlung verbunden und gleichzeitig würde ein Programm der revolutionären Forderungen nach Enteignung der korrupten Bande, die den Iran so lang beherrscht hat, aufgestellt.
Die Enteignung des Reichtums des Schah, die Enteignung der Großgrundbesitzer*innen, die nicht auf ihren Gütern wohnen und das Geld [in der Industrie] investierten, das sie durch den Staat nach Generationen der Vernachlässigung und der Ausbeutung der landwirtschaftlichen Bevölkerung erhalten hatten; die Verstaatlichung der Industrie ohne Entschädigung oder mit Entschädigung nur auf der Grundlage von Bedürftigkeit und eine Arbeiter*innenregierung; für Arbeiter*innenkontrolle der Industrie und Arbeiter*innenmanagement von Industrie und Staat.
Um diese Dinge zu erlangen, wäre es notwendig, Aktionskomitees in der Arbeiter*innenklasse zu bilden und vorschlagen, dass diese auch auf die Streitkräfte und kleine Ladenbesitzer*innen, kleine Geschäftsleute ausgedehnt werden und sie in einer Weise verbinden, wie die Sowjets in Deutschland und Russland in den Revolutionen 1917 und 1918 verbunden waren. Leider gibt es keine Organisation im Iran, die gegenwärtig die Politik des Marxismus vorbringt.
Die Arbeiter*innenbewegung in Britannien sollte als eine ihrer demokratischen Hauptlosungen haben: keine Einmischung in die Politik des Iran, lasst das iranische Volk entscheiden. Die fortgeschrittenen Arbeiter*innen andererseits sollten bei der Entwicklung einer marxistischen sozialistischen Partei im Iran helfen, die zum Erfolg führen könnte.
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