[eigene Übersetzung des englischen Textes in The Socialist, Nr. 723, 20. Juni 2012]
Lynn Walsh
Wohlhabende Ratten verlassen die sinkenden Schiffe. Während die Eurozone von Krise zu Krise taumelt, verlagern die Reichen und Superreichen in Griechenland, Spanien, Italien und sogar Frankreich und Deutschland ihr Vermögen in „sichere Häfen“. Die drei Haupthäfen sind, scheint es, Gold, Schweizer Franken und gehobene Londoner Immobilien.
Die Hauspreise in England und Wales stagnieren bei einem sehr geringen Verkaufsvolumen. Aber die Preise für Luxusimmobilien in Mayfair, Knightsbridge und South Kensington steigen sprunghaft an.
Sprunghaft steigende Verkäufe
Die Zahl der Immobilien, die für mehr als 2 Millionen Pfund verkauft werden, ist seit 2009 um 86% gestiegen. Die Verkäufe gehobener Immobilien in diesen erstklassigen Gegenden sind seit März 2009 um über 50% gestiegen.
Der Durchschnittspreis von Häusern, die in diesen erstklassigen Lagen im Zentrum Londons verkauft werden, ist jetzt bei etwa 1,2 Millionen Pfund. Das steht im Kontrast zum durchschnittlichen Hauspreis in England und Wales von 160.417 Pfund. Selbst zu diesem Preis ist ein Haus für die meisten Menschen unerschwinglich, angesichts des Zusammendrückens der Einkommen und strengerer Hypothekenbedingungen.
Jedoch der Immobilienmakler Rupert Des Forges „erwartet, dass es nur wenige Wochen dauern wird, einen ausländischen Käufer für ein 1.530 Quadratmeter großes Apartment in einem Herrenhaus mit Concierge in South Kensington zu finden, das mit 3,25 Millionen Pfund oder 5 Millionen Dollar gelistet ist. Vor kurzem kaufte jemand zwei größere Immobilien in der Nähe für jeweils rund 7,5 Millionen Pfund. Der Käufer war ein Investor, der begierig war, sein Geld aus der Eurozone – in diesem Fall Italien – abzuziehen. („If You’ve Got It, Expatriate It“ [Wenn Sie es haben, schaffen Sie es ins Ausland], „International Herald Tribune“, 5. Juni)
Die Superreichen, die Oligarch*innen, die Schiffseigner*innen, die Immobilienspekulant*innen, machten während des Booms Milliarden, vermieden, Steuern zu zahlen, und machen sich jetzt davon. Diese Art des Ausstiegs steht den Arbeiter*innen nicht offen, deren einziger Ausweg darin bestehen wird, sich dem Versuch zu widersetzen, sie mit den lähmenden Kosten der Krise zu belasten.
Sie und wir
Ein anderer Londoner Immobilienmakler, Georges Verdis, mit vielen griechische Kund*innen, „sagte, dass er Anweisungen habe, fünf große Familienhäusen im Wert von zehn Millionen Pfund im Zentrum Londons zu kaufen, falls Griechenland nach den Wahlen, die am 17. Juni anstehen, den Euro verlassen muss. Seine Kund*innen befürchten schwere soziale Unruhen, wenn es zu einem Zahlungsausfall und einem chaotischen Ausstieg aus der Währung käme … Ihr Geld ist bereits nach außerhalb der Eurozone überwiesen worden.“ (IHT, 5. Juni)
In krassem Gegensatz dazu zeigen die jüngsten Zahlen der Homes and Communities Agency, dass sich der verzweifelte Mangel an erschwinglichen Wohnungen in England verschärft. In den Jahren 2011-12 wurden gerade einmal der Bau von 15.698 „erschwingliche Wohnungen begonnen“ (11.130 zur Miete und 3.448 zum Kauf). Das war ein Fall von 68% gegenüber dem Vorjahr.
Jedes Jahr werden in England schätzungsweise 250.000 neue Haushalte gegründet. Welche Chance haben sie, eine angemessene, erschwingliche Wohnung zu finden?
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