Fraktion „Zur Verteidigung eines trotzkistischen Arbeiter*innenklasse-CWI“: Für eine trotzkistische Internationale – Gegen Opportunismus und Ultralinkstum

[verfasst von Tony Saunois im März 2019, eigene Bearbeitung einer zeitgenössischen Übersetzung]

1. Seit der Gründung der internationalen Fraktion „Zur Verteidigung eines trotzkistischen Arbeiter*innenklasse-CWI“ auf der IEK-Sitzung im Dezember 2018 hat der Austausch im CWI unsere Analyse der Entwicklung zweier wichtiger Trends bestätigt. An der Wurzel dieser Krise war der objektive Druck, der sich aus der widersprüchlichen und komplexen Sachlage ergibt, die auf die relativ kleinen Kräfte einer revolutionären Organisation einwirkt, und unsere jeweiligen Reaktionen darauf.

2. Wir haben bewusst zwei „Haupttrends“ betont, weil wir uns bewusst waren, dass auch andere Trends vorhanden waren und sich im Laufe der anschließenden Diskussion herausbilden könnten. Die Unterschiede zwischen der Fraktion und der spanischen Führung auf dem Londoner Treffen im März 2019 haben dies gezeigt und werden unten voll analysiert. Eine Bilanz der bisherigen Diskussion geht jedoch davon aus, dass dies von unserer Seite aus ein Kampf um die Verteidigung der Kernprinzipien des CWI ist, die für die Bestimmung seiner Zukunft unerlässlich sind.

3. Der erste Haupttrend, um die internationale Fraktion herum, stellt die Verteidigung der Zentralität der Rolle der Arbeiter*innenklasse und einer trotzkistischen Methode und eines trotzkistischen Programm zum Aufbau einer auf die Arbeiter*innenklasse gestützten revolutionären Partei dar. Die zweite, vertreten durch die „Nicht-Fraktions-Fraktion“ (NFF), spiegelt einen opportunistischen Trend wider, der vor den Komplikationen der gegenwärtigen objektiven Sachlage nachgegeben und sich von der Betonung des Aufbaus innerhalb der organisierten Arbeiter*innenklasse abgewandt hat. Dies spiegelt sich in einer Anpassung an die separatistischen Vorstellungen von „Identitätspolitik“ und der Abkehr von den Gewerkschaften als zentralem Aspekt der Arbeit zum Aufbau einer revolutionären Partei wider.

4. Nun hat sich ein dritter, ultimatistischer, ultralinker Trend offenbart, der sich in der Führung der spanischen und portugiesischen Sektion widerspiegelt. Dieser Linksradikalismus ist die Kehrseite der selben Medaille des Opportunismus, der sich in den politischen Positionen widerspiegelt, die von den NFF-Anhänger*innen verteidigt werden. Darüber hinaus hat die spanische Führung in den langen Diskussionen, die während der Fusionsverhandlungen zwischen unseren beiden Organisationen stattfanden, nie ihre wahre Position zum Ausdruck gebracht. Sie haben behauptet, dass sie „getäuscht“ wurden. Doch nicht sie wurden getäuscht, sondern das CWI. Hätten sie ihre wirkliche Position deutlich offenbart, anstatt die Auswirkungen des Zusammenbruchs der stalinistischen Regime und die politischen Folgen für die internationale Arbeiter*innenklasse im Hinblick auf den Schub, den der Prozess dem Kapitalismus gegeben hat – die ideologische Offensive gegen den Sozialismus und die Auswirkungen, die dies auf das sozialistische Bewusstsein und die Organisationen der Arbeiter*innenklasse hatte – zu leugnen, wäre der Prozess der Fusion in Frage gestellt worden. Die internationale Fraktion steht in Opposition sowohl zum opportunistischen Trend der NFF als auch zum ultralinken Trend der spanischen und portugiesischen Führung. Wir verteidigen die echten trotzkistischen Methoden und Traditionen des CWI, die notwendig sind, um auf der Arbeiter*innenklasse beruhende revolutionäre sozialistische Parteien aufzubauen.

5. Die führenden Hauptvertreter*innen der NFF sind in einem Punkt vereinigt: Opposition gegen die IS-Mehrheit. Aber sie maskieren jede Kritik, die einige ihrer Mitglieder an ihrer nicht deklarierten Fraktion haben könnten aus opportunistischen, fraktionellen Gründen. Im Kontrast dazu hat die internationale Fraktion ihre Opposition gegen die ultralinke Herangehensweise der spanischen und portugiesischen Führung ausgedrückt.

6. Der mächtige opportunistische Druck in dieser Periode ist ein Widerspiegelung des Aufruhrs, der im globalen Kapitalismus stattfindet und seiner Widerspiegelung in allen politischen Bereichen der Gesellschaft. Es ist kein Zufall, dass in vielen Ländern die wichtigsten bürgerlichen politischen Parteien von Spaltungen und Trennungen zerrissen sind, ebenso wie die ehemaligen bürgerlichen Arbeiter*innenparteien und neue linke Parteien wie Podemos. Die kapitalistische Klasse ist zunehmend unfähig, auf die alte Art und Weise zu herrschen. Bis jetzt hat sich die Arbeiter*innenklasse jedoch nicht an die Spitze der Bewegungen gestellt, die ausgebrochen sind, und es sind noch kein klarer bestimmtes sozialistisches Bewusstsein oder Massenarbeiter*innenparteien, die sozialistische Ideen annehmen, entstanden. Dies hat die jüngste Periode verkompliziert. Wir sind zuversichtlich, dass sich dies ändern wird, und das CWI muss alles tun, um diesen Prozess voranzutreiben. Es stehen massive Kämpfe der Arbeiter*innenklasse an, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einer vergrößerteren Polarisierung der Gesellschaft und zur Herausbildung eines abgerundeten sozialistischen Bewusstseins und Organisation der Arbeiter*innenklasse führen werden.

7. Diese Faktoren haben einen großen opportunistischen Druck auf die revolutionären Sozialist*innen ausgeübt, sogar zur Auflösung der Partei. Die aktuelle Krise des CWI spiegelt sich in allen anderen Organisationen wider, die beanspruchen, sich für die revolutionäre Linke einzusetzen. Dies spiegelt sich in der Entscheidung der irischen SWP wider, sich in ihre breite Front, People Before Profits, aufzulösen und als „Netzwerk“ zu fungieren (ein Prozess, zu dem sich die irischen NEK-Mehrheits-Genoss*innen offensichtlich nur zögerlich äußern). Ein ähnlicher Prozess durch das IST fand zuvor in Deutschland statt. Beide stellen die Aufgabe der Idee dar, eine eigenständige revolutionäre Partei aufzubauen.

8. In jüngerer Zeit und noch deutlicher war dies bei der Implosion der ISO in den USA zu sehen. Dies folgte auf eine Krise auf ihrem Kongress, bei der die ehemalige Führung entfernt wurde. Sie stimmte dann durch eine Online-Wahl ab, die Partei aufzulösen und die Website aufzulösen. Dies ist eine Warnung an diejenigen in der NFF, die argumentieren, dass die internationale Fraktion die politischen Differenzen und Trends überbewerte. Die Krise in der ISO spiegelt einige der Debatten wider, die im CWI stattfinden. Sie umfasst die Fragen der Identitätspolitik, des Innehabens öffentlicher Positionen und wie wir damit prinzipientreu umgehen und wie sich Finanzquellen auf die revolutionäre Partei auswirken können. Die Gewinnung einer großen Schicht von Jugendlichen aus der Mittelschicht, die mit der Krankheit der Identitätspolitik infiziert sind, hat zusammen mit anderem opportunistischen Druck zu einer schnellen Implosion der ISO geführt. Sie haben die Identitätspolitik in ihre Organisation integriert, eine „MeToo“-Fraktion gegründet und #IBelieveHer angenommen, wobei sie jedes ordentliche Verfahren zur Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen ablehnten.

9. Dies ist eine deutliche Warnung für unsere US-Sektion und andere, wenn das Thema Identitätspolitik nicht richtig angegangen wird. Andere Organisationen, wie die PSTU in Brasilien, erlebten Spaltungen, die sich aus dem Druck der objektiven Lage ergaben – in diesem Fall als Folge der sektiererischen Haltung der Führung gegenüber der Anklage der PT-Präsidentin Dilma Rousseff.

10. Identitätspolitik ist ein massives Thema in den USA und international. Sie stellt eine große Herausforderung für die Marxist*innen dar: Wie kann man sich den separatistischen und spaltenden Ideen widersetzen, die in ihr enthalten sind und die über bürgerliche und kleinbürgerliche akademische Kreise hinaus in Teile der Arbeiter*innenbewegung vorgedrungen sind. Alle linken und revolutionären sozialistischen Organisationen sind betroffen. Sogar die Woods-geführte IMT-Sekte war gezwungen, sich ihr zu stellen. Die IMT – die vorhersehbarerweise die CWI-Führung persönlich angegriffen hat – war vor einigen Monaten gezwungen, in einer langen Polemik gegen die Ideen der Identitätspolitik zu reagieren, die ihre Reihen eindeutig infiziert hat. Woods argumentierte jedoch auf platte Weise und lehnte sogar die Verwendung des Begriffs „sozialistische oder marxistische Feminist*innen“ ab, weil Marxist*in zu sein, automatisch bedeute, gegen die Ausbeutung von Frauen zu sein. Leider hat sich die irische Sektion an den Druck der separatistischen Identitätspolitik angepasst, und dies findet sein Echo auch in einigen anderen Sektionen, wie Griechenland und Brasilien. In Brasilien sollten wir natürlich die bösartigen Angriffe auf Frauen, LGBTQ+, die Arbeiter*innenklasse und andere bekämpfen, besonders seit Jair Bolsonaro an die Macht kam. Doch wie in den USA hat die Identitätspolitik die gesamte Gesellschaft durchdrungen, auch in PT und PSOL. Wir müssen uns dagegen wehren, gegen separatistische Trends und für eine einheitliche Bewegung der Arbeiter*innenklasse und anderer kämpfen, die vom Kapitalismus ausgebeutet und unterdrückt werden. Die NFF klagt uns an, „konservativ“ oder „zögerlich“ beim Eingreifen in Bewegungen gegen die Frauenunterdrückung zu sein. Sie kann jedoch keine Beispiele dafür finden, da wir energisches Eingreifen in Bewegungen und mögliche Bewegungen zu diesen Themen nachdrücklich befürworten.

11. In Wirklichkeit basiert die falsche Darstellung unserer Position auf unserem Beharren auf einer marxistischen Analyse dieser Bewegungen und der Notwendigkeit, mit einem klaren Programm einzugreifen. Dies steht im Gegensatz zu der wachsenden Tendenz in der Führung der NFF-Sektionen, die behaupten, Identitätspolitik abzulehnen, sich aber in der Praxis der Herangehensweise und den Slogans der kleinbürgerlichen Führung der Bewegungen gegen Frauen- und andere spezifische Unterdrückungen beugen. Zum Beispiel ist der Kampf gegen die Schuldzuweisung von Opfern vor Gericht sehr wichtig, aber er verlangt nicht, dass wir die derzeitigen „populären“ Slogans wie #IBelieveHer pauschal übernehmen, ohne die Notwendigkeit zu berücksichtigen, für demokratische Rechte zu kämpfen, einschließlich des Rechts auf ein faires Verfahren. Stattdessen sollten wir Forderungen stellen, die auf den kapitalistischen Charakter des Rechtssystems und die Notwendigkeit hinweisen, dass die Arbeiter*innenklasse dafür kämpft, dass es unter demokratische Kontrolle der Arbeiter*innenklasse gestellt wird.

12. Die NFF behauptet, dass wir die Bewegungen herunterspielen, weil wir auf ihren „klassenübergreifenden“ Charakter hinweisen. Doch diese Klassenzusammensetzung war eindeutig der Fall, zum Beispiel in Irland, wo weite Teile der Kapitalist*innenklasse eine Abstimmung über Abtreibungsrechte im Referendum unterstützten. Wenn wir auf diese objektive Tatsache hinweisen, spielen wir die Bedeutung der Bewegung nicht herunter. Massenbewegungen gegen Frauenunterdrückung haben unsere Unterstützung, unabhängig davon, ob sie von bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Kräften geführt werden. Das CWI hat immer klar erklärt, dass zwar Frauen aus der Arbeiter*innenklasse und arme Frauen am meisten unter ihrer doppelten Unterdrückung leiden, aber alle Frauen wegen ihres Geschlechts in einer Klassengesellschaft unterdrückt werden. Darin haben wir eine Differenz mit der IR (spanische Sektion), die dazu neigt, den Schwerpunkt ausschließlich auf die Unterdrückung von Frauen aus der Arbeiter*innenklasse zu legen.

13. Ebenso wenig argumentieren wir, wie es die IR-Genoss*innen machen, dass die Frauenbewegungen der Vergangenheit keine Rolle bei den Errungenschaften von Frauen aus der Arbeiter*innenklasse gespielt haben. Im Gegenteil, es ist klar, dass in einer Reihe von Kämpfen Bewegungen vor allem von Frauen aus der Mittelschicht dazu beigetragen haben, den Frauen der Arbeiter*innenklasse Vertrauen zu geben, sowohl in sozialen als auch in wirtschaftlichen Fragen zu kämpfen. Um dies zu tun, haben sie sich in der Regel klassenbasierten Organisationen und Kämpfen zugewandt. Die Schlüsselfrage für uns ist, dass die Arbeiter*innenklasse die einzige Kraft ist, die in der Lage ist, die Gesellschaft umzugestalten, und wenn wir in klassenübergreifende Bewegungen eingreifen, müssen wir die Rolle der organisierten Arbeiter*innenklasse in der Bewegung in den Vordergrund stellen, um ihre Ziele zu erreichen.

14. Der opportunistische Druck – oder „Mandelismus“, wie wir ihn in früheren Dokumenten nannten – spiegelt sich in den Ideen und Positionen der Anhänger*innen der NFF wider. Dies war zwar nicht immer ein bewusster Prozess, aber es ist die Realität dessen, was in einer Reihe von CWI-Sektionen in unterschiedlichem Maße stattgefunden hat. Vor dieser Krise hatte die IS-Mehrheit unterschätzt, inwieweit dieser Druck die theoretischen Grundlagen einiger Sektionen zerfressen hatte.

15. Unsere Anschuldigung des Mandelismus hat einige führende Vertreter*innen der NFF, wie Bryan K (USA) und andere, dazu veranlasst, die neuartige Theorie zu entwickeln, dass dies nicht möglich sein könne, weil der Mandelismus ein Produkt der 1960er Jahre gewesen sei – einer völlig anderen Ära. Aber der Mandelismus ist Ausdruck einer Form des Opportunismus. Argumentieren die Genoss*innen ernsthaft, dass opportunistische Anpassungen nur in einer Zeit wie den 1960er Jahren möglich gewesen seien? Was ist mit der Kapitulation der SPD in Deutschland 1914? Der Druck von Opportunismus und Ultralinkstum entsteht in allen Perioden, in unterschiedlichem Maße. Die Frage ist, wie man ihnen widerstehen kann. In Zukunft müssen wir auch auf den Kampf gegen linksreformistische, zentristische und linkszentrische Ideen und Organisationen vorbereitet sein.

16. Die Krise begann in Irland, wo sich die Sektion an den Druck des Separatismus angepasst hat, der sich in der Identitätspolitik widerspiegelt, sich von einer organisierten, systematischen und konsequenten Arbeit in den Gewerkschaften abwandte und wo das Bewusstsein für den Aufbau der revolutionären Partei deutlich abgenommen hat. Dies wurde von der irischen Führung zugegeben, insbesondere in ihrem Dokument „Setting the Record Straight, Part Two“, Absatz für Absatz. Auf Seite 85 erklären sie: „Die Abnahme des Bewusstseins für den Parteiaufbau hat sich auf die gesamte Partei ausgewirkt, einschließlich der Führung. Auch die Entwicklung der Führung wurde beeinflusst, denn es gab nicht genug Aufwärtsdruck auf die Führungsgremien durch einen stärkeren politischen und erfahren Kader in der gesamten Partei.“ Es stellt sich daher die Frage, warum die irische Führung es versäumt hat, diese Probleme anzugehen und die Lage zu ändern?

17. Sollte sich die derzeitige Entwicklung der Partei in Irland fortsetzen, würde sie leider mit dem gleichen Schicksal konfrontiert sein wie die irische SWP und die ISO und im Gefolge unserer ehemaligen schottischen Sektion auf dem Weg zum Zerfall und Verschwinden als eigenständige marxistische Organisation sein.

18. Vor kurzem haben einige Genoss*innen in der Debatte argumentiert, dass die irische Partei Schritte unternommen habe, um die entstandenen Schwächen zu beheben. Wir stimmen nicht zu, dass mündliches Anerkennen oder eine abrupte neue Wendung zur Intervention in aktuelle Arbeitskonflikte wie beispielsweise den Streik der Krankenschwestern und Hebammen eine qualitative Veränderung in der Herangehensweise der irischen Führung darstellen. Wir würden natürlich eine echte Rückkehr zu einer systematischen, geduldigen Gewerkschaftsarbeit, wie sie der führende Siptu-Genosse über Jahre hinweg geleistet hat, begrüßen. Aber nur zwölf Tage vor dem Streik der Krankenschwestern und Hebammen argumentierte die irische NEK-Mehrheit, dass „es in den Gewerkschaften nicht wirklich eine aktive Schicht gibt, die mobilisiert werden könnte“. Sie rechtfertigten ein „Element einer offenen Wende“ weg von den Gewerkschaften als notwendigen „Umweg von den Hindernissen der Gewerkschaften“. Das Versäumnis der irischen NEK-Mehrheit, ihre Position wirklich zu ändern, spiegelte sich auch in der Frage des „Sicherheitsverstoßes“ wider, der die Krise auslöste. Sie spielten die Verteidigung ihrer Aktionen nach der IEK-Sitzung herunter. Aber bei der jüngsten Debatte beim australischen NK kehrte KM zur Verteidigung dessen zurück, was sie getan hatten, und behauptete, dass sie deswegen einen „fraktionellen Schlachtplan“ aufgedeckt hätten.

19. Die irische NEK-Mehrheit und ihre internationalen Unterstützer*innen verweisen gelegentlich auf einige (gewöhnlich nicht spezifizierte) „Fehler“, die sie gemacht haben. Doch in einer Debatte nach der anderen und in ihren umfangreichen Dokumenten versuchen sie, ihre politischen und organisatorischen Fehler zu verteidigen, zu rechtfertigen und zu rationalisieren. Diese Methode der doppelten Buchführung hat nichts mit einer echten Diskussion und Debatte gemeinsam. Dazu gehört auch, Fehler vor der Mitgliedschaft offen zu akzeptieren, um zu prinzipiellen Schlussfolgerungen zu gelangen, kollektiv aus Debatten zu lernen und das gesamte CWI politisch zu stärken.

20. Die NFF hat auch argumentiert, dass die erfolgreiche Arbeit der Genoss*innen in der NIPSA, in Nordirland, eine Widerlegung der Abwendung der irischen Sektion von der systematischen Gewerkschaftsarbeit sei. In erster Linie wird die NIPSA-Arbeit im Norden durchgeführt, während die falsche „offene Wende“ weg von der Gewerkschaftsarbeit im Süden durchgeführt wurde. In Wirklichkeit sind die Erfolge der NIPSA-Genoss*innen auf ihre unermüdliche, systematische Arbeit unter oft schwierigen Umständen zurückzuführen. Andere konsequente Gewerkschaftsarbeit wird zum Beispiel in Unite unter Einbeziehung von Jugendgenoss*innen geleistet, aber auch dies ist im Großen und Ganzen im Norden der Fall.

21. Seit die Debatte begann, hat sich klarer enthüllt, dass ein ähnlicher opportunistischer Druck auch andere Sektionen betroffen hat, was sich in dem politischen Material widerspiegelt, das sowohl in den Dokumenten als auch in der Öffentlichkeit veröffentlicht wurde. NFF-Anhänger*innen sagen, dass keine Belege vorgelegt worden seien, um dies zu beweisen. Wenn es jedoch gemacht wird, leugnen sie einfach die Beweiskraft. Auf der griechischen Website gibt es beispielsweise in den meisten Artikeln einen Mangel an einheitlichen Übergangsforderungen. Gelegentlich wird der Sozialismus erwähnt, aber nur als formelhafte Ergänzung. Viele der NFF-Sektionen scheinen in die Falle zu tappen, eine Minimal- und Maximalprogramm-Herangehensweise an das Programm zu wählen, bei der der Sozialismus an einigen Artikeln angehängt ist, ohne eine Übergangsmethode anzuwenden, die zu dieser Schlussfolgerung führt oder erklärt, was er ist. In Griechenland wird in dem Artikel zum Internationalen Frauentag 2018 zwar der Anstieg der häuslichen Gewalt verurteilt, aber kein Bezug auf Klassenkampf, Kapitalismus oder Sozialismus genommen. Diese Auslassung ist in vielen anderen Artikeln vorhanden, wie beispielsweise in einem Artikel vom 1. September 2018 mit dem Titel „Sexismus unter dem Messer“, der sich mit plastischer Chirurgie befasst. Andere Artikel über die Umwelt haben keine konkreten Forderungen. Dem Material über die Goldfirma Eldorado in Chalkidiki fehlen im Allgemeinen klare Übergangsanforderungen. Der am 25. Dezember 2018 veröffentlichte Artikel greift zwar korrekt die Bergbaugesellschaft an, richtet keinen Appell an die lokale Bevölkerung oder die Bergleute, sondern beschränkt sich darauf, wie es noch schlimmer werden wird. Er greift die örtliche Gewerkschaftsführung an, stellt aber keine Forderungen an die Gewerkschaften, was sie tun sollen. Dies steht im Einklang mit den von Andros P vertretenen falschen Argumenten, dass es nicht möglich sei, Forderungen an den griechischen DGB zu stellen!

22. Das Fehlen einer Übergangsherangehensweise gegenüber der Arbeiter*innenklasse spiegelte sich in dem am 18. Februar 2019 veröffentlichten Artikel zu diesem Thema wider. Die Genoss*innen schrieben: „Die Arbeiter*innen, die die Interessen des Unternehmens verteidigen, müssen sich jedoch fragen, ob ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder, die Zukunft ihres Landes, vor ihre Lohntüte kommen sollte, die sie heute haben und morgen nicht haben werden“. Es gab keinen Versuch, alternative Beschäftigungsmöglichkeiten oder die Rechte der in der Branche Beschäftigten zu fördern. Diese verächtliche Haltung gegenüber den Bergleuten widerspiegelt die Haltung des Umweltschützers David Attenborough, der durch seine TV-Naturdokumentationen bekannt geworden ist, bei den UN-Klimaverhandlungen im vergangenen Jahr. Auf die Frage nach dem Schicksal der polnischen Bergleute zuckte Attenborough mit den Schultern und hatte keine Antwort zu ihrer Beschäftigung oder ihrem Lebensunterhalt!

23. Auch wenn in einigen neueren Artikeln kosmetische Verbesserungen vorgenommen worden sein mögen, spiegeln diese und andere Beispiele deutlich den opportunistische Herangehensweise der Führung und die Verwässerung unserer eigenständigen Übergangs- und revolutionären sozialistischen Forderungen wider.

24. Dieser Trend spiegelt sich in jüngster Zeit in der Führung der US-Sektion wider, wo die Präsidentschaftskampagne 2020 beginnt, in der Annäherung an Bernie Sanders und andere linke Demokrat*innen wie Alexandria Ocasio-Cortez (AOC), ein Mitglied der Democratic Socialists of America (Demokratischen Sozialist*innen Amerikas), in New York, die kürzlich in das Repräsentantenhaus gewählt wurde. Es ist richtig, wie das IS konsequent argumentiert hat, geschickt in diese Entwicklungen einzugreifen. Unserer Meinung nach sind die Genoss*innen jedoch in letzter Zeit zu weit gegangen und stehen Sanders oder Linken der Demokratischen Partei wie AOC nicht kritisch genug gegenüber. Die Wahl 2020 wird keine bloße Wiederholung von 2016 sein.

25. Der Slogan, den Genoss*innen bei der Intervention in Sanders-Veranstaltungen verwendet haben: „Trump raus, Bernie rein – baut eine Massenbewegung auf“, trifft nicht den richtigen Ton. Wir sollten die Forderung „Trump raus – Bernie rein, auf der Grundlage eines sozialistischen Programms“ aufstellen, wie wir es mit Jeremy Corbyn getan haben. In unserem Material wird der Forderung, dass Sanders mit den Demokraten brechen, unabhängig antreten und eine neue Partei bilden soll, weniger Betonung gegeben. Wir denken, dies ist ein Fehler. Der Vorschlag führender Mitglieder des US-EK, einen symbolischen finanziellen Beitrag zur Sanders-Kampagne zu leisten, der vom US-NK abgelehnt wurde, illustriert die Schwäche des Herangehensweise der Genoss*innen. Ebenso ist die Kritik, die wir an AOC üben, äußerst schwach. Die Forderung nach einer neuen Partei wurde zwar von Kshama S. in den öffentlichen Finanzappell für die Wiederwahlkampagne in Seattle aufgenommen, aber die Schlagzeile im Januar war: „Warum ich mit AOC gegen das Konzern-Establishment der Demokratischen Partei stehe.“ Dies war ein opportunistischer Versuch, auf dem Rücken der aktuellen „Bekanntheit“ und Popularität von AOC zu reiten. Die Schwäche unserer Kritik an AOC und ihrem Programm spiegelt sich im Slogan „Ein Grüner New Deal“ wider. Obwohl kürzlich ein Artikel veröffentlicht wurde, in dem erklärt wird, dass dies nur mit der Umsetzung eines sozialistischen Programms möglich wäre, bringen die Genoss*innen immer noch den Slogan eines Grünen New Deal isoliert vor. Das Poster zum Auftakt der Wahl in Seattle lautet: „Seattle braucht einen Grünen New Deal“, anstatt die Forderung nach einem „Grünen New Deal der Arbeiter*innen“ oder einem „Sozialistischen Grünen New Deal“ aufzustellen.

26. Die Verwässerung des Programms und der Forderungen sind eine Widerspiegelung des opportunistischen Druck, der vorhanden ist. Unsere Aufgabe ist es, ihm zu widerstehen, wenn auch geschickt, und nicht, vor ihm einzuknicken. Wenn wir dies nicht tun, werden wir keine solide Grundlage für den Trotzkismus in den USA schaffen.

27. Ein entscheidender Aspekt der Debatte hat sich auf die Frage der Gewerkschaften konzentriert. Trotz der heulenden Proteste der NFF gab die irische Sektion – und nun anscheinend auch einige andere – die systematische und konsequente Gewerkschaftsarbeit auf. Die irische Führung begründete dies mit dem hohen Grad an Bürokratisierung der Gewerkschaften, ihrer Rolle in der Sozialpartnerschaft und dem relativ niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Andros P. aus Griechenland argumentierte in seinem Dokument, dass es unmöglich sei, Forderungen an den griechischen DGB zu stellen wegen dessen verräterischer Rolle. Im folgenden Absatz seines Dokuments fährt er jedoch fort Forderungen an den DGB zu stellen und tanzte damit auf beiden Hochzeiten zugleich. Bezeichnenderweise gibt Andros P. keinen Hinweis auf die von der KKE (Kommunistische Partei) geführte Gewerkschaftsföderation PAME.

28. Andy M (USA) unterstreicht in seinem Brief, auf den Peter T. antwortete, die tatsächliche Haltung vieler führender Vertreter*innen der NFF viel deutlicher. Er beschuldigt die Fraktion, „sich in eine reaktive, mechanische Herangehensweise in Bezug auf eine für die Arbeiter*innenklasse unglaublich komplizierte Zeit zurückzuziehen“. Doch was meinte er mit dieser Aussage? Er fuhr fort, dass einige Gewerkschaften „in vielen Fällen so gründlich bürokratisiert sind, dass sie nicht mehr die Merkmale einer Arbeiter*innenorganisation haben….“. Dies ist eine völlig falsche Wahrnehmung selbst von den rechtsgerichteten bürokratisierten Gewerkschaften, die trotz der tückischen Rolle der Führung immer noch eine Basis der Arbeiter*innenklasse haben.

29. Leo Trotzki beantwortete diesen Punkt in seinem unvollendeten Werk: „Die Gewerkschaften in der Epoche des imperialistischen Niedergangs“. Dort beschäftigte er sich damit, dass die Gewerkschaften sogar in den kapitalistischen Staat integriert wurden und mit Arbeit in den Gewerkschaften in faschistischen Staaten. Er argumentierte deutlich: „Wo keine Arbeiterdemokratie vorhanden ist, kann von einem freien Kampf um die Beeinflussung der Mitglieder keine Rede sein. Daher verschwindet das Hauptarbeitsgebiet für Revolutionäre innerhalb der Gewerkschaften. Eine solche Stellungnahme wäre jedoch grundfalsch. Wir können weder das Feld, noch die Bedingungen für unsere Arbeit nach unseren Wünschen wählen. … Umso weniger können wir die systematische Arbeit innerhalb der Gewerkschaften totalitären oder halb totalitären Charakters aufgeben, … oder weil die Bürokratie den Revolutionären die Möglichkeit freier Arbeit innerhalb der Gewerkschaften raubt. … „

30. Im selben Artikel schrieb er: „Trotz der fortschreitenden Degeneration der Gewerkschaften und ihres Zusammenwachsens mit dem imperialistischen Staat verliert die Arbeit innerhalb der Gewerkschaften nicht nur nicht an Bedeutung, sondern bleibt wie bisher und wird in gewissem Sinne für jede revolutionäre Partei noch wichtiger denn je“.

31. Dies wurde 1940 zu einer Zeit geschrieben, als der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den meisten Ländern relativ gering war, verglichen mit der massiven Stärkung der Gewerkschaften, die im Nachkriegsaufschwung stattfand. Das bedeutet nicht, dass wir im offiziellen Gewerkschaftsapparat gefangen sein sollten oder uns nur an den bereits gewerkschaftlich organisierten Schichten der Arbeiter*innenklasse orientieren sollten. Insbesondere müssen wir Initiativen ergreifen, um die neuen Schichten der Arbeiter*innenklasse zu erreichen, die noch nicht organisiert sind. Wir müssen auch die positiven Entwicklungen der Radikalisierung eines Teils der Mittelschicht erkennen, der zunehmend „proletarisiert“ wird, wie Ärzt*innen und andere. Einige dieser Schichten haben begonnen, Kampfmethoden der Arbeiter*innenklasse zu übernehmen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen und befindet sich politisch und organisatorisch in einem Anfangsstadium der Entwicklung. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns davon abwenden sollten, in die organisierten Teile der Arbeiter*innenklasse einzugreifen und dort eine starke Basis aufzubauen, um die fest verwurzelten Bürokratien zu bekämpfen und herauszufordern.

32. Leider findet der opportunistische, rechte Zusammenbruch, der sich im CWI ereignet hat, jetzt in der ultralinken Herangehensweise sein Spiegelbild, die die spanische Führung mit Unterstützung der portugiesischen Führung verfolgt. Unsere Gegner*innen in der NFF und andere versuchen, aus ihr Vorteil zu ziehen. Aber wir entschuldigen uns nicht für das, was passiert ist. Wir haben transparent und politisch prinzipientreu gehandelt. Der Prozess der Vereinigung mit der IR war nun offensichtlich nicht erfolgreich und ist enttäuschend. Wir fragen unsere Gegner*innen jedoch, ob sie denken, dass es richtig war, zu versuchen, sie durchzuführen? Keine Genoss*innen im IEK oder in der Internationale lehnten die Vereinigung ab, als sie vorgeschlagen wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass solche Bemühungen gescheitert sind, und es wird nicht das letzte Mal sein. Woods und die IMT spotten in einem offenen Brief an die CWI-Mitglieder (der voller persönlicher Galle sind), über die „Spaltungen“ und „Trennungen“, die im CWI stattfinden. Wir fragen uns, wie viele Spaltungen die IMT in Spanien, Pakistan, Venezuela und anderen Ländern erlitten hat? Fraktionskämpfe, so bedauerlich sie auch sein mögen, und manchmal sogar Spaltungen, sind notwendig, um Programm, Perspektiven und die Kräfte zu klären, die die Aufgaben durchführen werden , vor denen die Marxist*innen stehen.

33. Die NFF appelliert für eine „prinzipientreue revolutionäre Einheit“. Das ist die Zusammenfassung ihrer Plattform! Ihr Appell zur Einheit erfolgt auf einer völlig prinzipienlosen Grundlage, da sie ihn zum Maskieren und zum Vermeiden der Debatte über die zentralen politischen Fragen nutzen. In den jüngsten Debatten beschränken sie sich auf Klatsch und Tratsch, Anspielungen und Proteste über das Führen und den Ton der Debatte sowie darauf, falsche Anschuldigungen darüber zu erheben, wie ihre Anhänger*innen in der internationalen Zentrale behandelt werden. Damit soll die Auseinandersetzung mit den zentralen politischen und theoretischen Fragen, die von der internationalen Fraktion gestellt werden, vermieden werden. Diese prinzipienlose Gruppierung weigert sich, sich als Fraktion zu erklären. Doch sie produziert Dokumente, koordiniert ihre Aktivitäten und beruft ein internationales Treffen ein – d.h. es handelt sich um eine nicht deklarierte, prinzipienlose Fraktion.

34. In ihrem jüngsten „Offenen Brief“ an die CWI-Mitglieder, der keine politischen Fragen behandelt, behaupten sie, dass sie über eine Mehrheit des CWI und des IEK verfügen. Eine Mehrheit für was? Die meisten Sektionen mit NFF-Führungen haben nicht zu den von der internationalen Fraktion vertretenen politischen Positionen Stellung bezogen. In ihrem letzten Brief sprechen sie von Rechten für die „Minderheit“. Was meinen sie damit? Wenn sie beabsichtigen, eine Regimeänderung vorzuschlagen und die derzeitige IS-Mehrheit zu entfernen, sollten sie das offen sagen. Obwohl sie formal eine Mehrheit im IEK haben können, ist dies keine vollständige Darstellung des Kräfteverhältnisses im CWI. Das IEK ist kein vollständiges Spiegelbild der Stärke, Klassenzusammensetzung oder des sozialen Gewichts der verschiedenen Sektionen. Einige Gruppen wurden zu Sektionen gemacht und erhielten die IEK-Mitgliedschaft, um das Potenzial anzuerkennen, das für ihre Entwicklung bestand. Die Mitgliedschaften der Sektionen in Polen, Zypern und anderen sind kleiner als einige der Ortsgruppen in anderen Sektionen. Die Zusammensetzung des IEK ist daher kein genaues Abbild des CWI.

35. Wir machen keine Entschuldigung für den prinzipiellen Versuch der Einheit mit den spanischen Genoss*innen und anderen. Trotzki war zweifellos enttäuscht, dass seine Versuche, Andres Nin in Spanien und Diego Rivera in Mexiko zu überzeugen, schließlich scheiterten. War es jedoch richtig für Trotzki, es zu versuchen? 1933/34 versuchte Trotzki auch, einen „Viererblock“ zu bilden, als Schritt zum Aufbau einer neuen Internationale. Doch dieser brach nach einigen Monaten zusammen. Hatte er Recht, es zu versuchen? Wir glauben es und haben seine Methode bei unseren Versuchen, die Internationale aufzubauen, angewandt. Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus haben wir Gespräche mit anderen Organisationen, wie dem Vereinigten Sekretariat und der UIT und der DSP in Australien versucht, um zu sehen, ob es möglich ist, eine Einigung in der neuen Weltlage nach dem Zusammenbruch des Stalinismus zu erzielen. Diese Bemühungen scheiterten schließlich auch. Aber war es richtig, zu versuchen, zu sehen, ob eine Einigung möglich ist? Wir antworten mit Ja. Weitere Bemühungen, eine Einigung mit anderen Organisationen zu erzielen, werden sich in Zukunft wieder zeigen und müssen geprüft werden. In Zukunft werden starke neue Parteien entstehen, mit denen es notwendig sein wird, in die Diskussion einzutreten und die Perspektive der Fusion zu erkunden. Die neuen Kräfte werden die Hauptkomponenten für den Aufbau einer mächtigen revolutionären Internationale bilden. Doch dieser Prozess wird auch Fusionen und Spaltungen mit sich bringen, und kann auch andere bestehende revolutionäre Kräfte einbeziehen. Es gibt keinen anderen Weg in einem Kampf um den Aufbau einer revolutionären internationalen Organisation.

36. Die spanische Führung schaffte es nicht, ihre Position vollständig darzulegen, insbesondere nicht zu den politischen Folgen und Verwirrungen, die sich aus dem Zusammenbruch des Stalinismus ergaben. Die von der spanischen Führung angesprochenen Differenzen konzentrierten sich auf die Bewertung des sozialistischen politischen Bewusstseins unter der Arbeiter*innenklasse und den Massen in diesem Stadium und der Weltlage. Das CWI war die erste, die die Folgen des Zusammenbruchs der ehemaligen stalinistischen Regime erkannte und erkannte, dass eine kapitalistische Restauration stattfand (etwas, das die IMT, der die IR angeschlossen war, bis 1997 geleugnet hat). Die Morenist*innen in Lateinamerika brauchten noch länger, um die Realität der kapitalistischen Restauration zu erkennen. Es gab eine wirtschaftliche und politische Konterrevolution in der ehemaligen UdSSR und in Osteuropa. Die Konsequenzen davon waren nicht auf die ehemaligen stalinistischen Staaten beschränkt. Daraus resultierte der Beginn einer massiven ideologischen Offensive der Kapitalist*innenklasse, ein Zurückwerfen des politisch-sozialistischen Bewusstseins, der Zusammenbruch der ehemaligen Arbeiter*innenparteien und eine zunehmende Bürokratisierung und Rechtsschwenk in der Gewerkschaftsführung. Es führte nicht nur zu einem Zurückwerfen des politischen Bewusstseins, sondern auch zu einer Krise der Organisation der Arbeiter*innenklasse in den meisten Ländern.

37. Die Folgen dieses Prozesses sind bis heute spürbar. Sie spiegeln sich in der komplexen Sachlage wider, die besteht. Im Gefolge der globalen Krise 2007/08 fand eine Welle von Kämpfen und eine politische Radikalisierung statt. Es gab den Ausbruch von Revolutionen und Revolten im Nahen Osten und in Nordafrika. In Griechenland spiegelten die Elemente einer vorrevolutionären Lage, die ausgebrochen war, die Stagnation und den möglichen Zusammenbruch der kapitalistischen Herrschaft wider. Sie spiegelte sich jedoch nicht in der Entstehung eines klaren sozialistischen Bewusstseins und der Organisationen der Arbeiter*innenklasse wider. Elemente davon waren vorhanden, aber nicht in abgerundeter Weise. Die Radikalisierung spiegelte sich auch in der Indignados-Bewegung und den Umwälzungen wider, die sich in vielen Ländern vollzogen. Das Wachstum von Syriza in Griechenland, die Gründung von Podemos in Spanien und später die Wahl von Corbyn zur Führung der Labour Party in Großbritannien waren alle ein Produkt der Folgen der kapitalistischen Krise und der vorhandenen Elemente politischer und sozialer Radikalisierung. Wir haben die Bedeutung dieser Entwicklungen erkannt und positiv versucht, in sie einzugreifen.

38. Diese Entwicklungen hatten jedoch auch erhebliche Schwächen, die die anhaltenden Auswirkungen des Zusammenbruchs der ehemaligen stalinistischen Regime widerspiegeln und dass die Arbeiter*innenklasse sich noch nicht bewusst an die Spitze der ausgebrochenen Bewegungen gestellt hat. Dies spiegelt sich, wie wir in vielen Dokumenten und auf Sitzungen erklärt haben, in dem extrem schwachen Programm wider, das von der „neuen Linken“ vertreten wird, das nicht einmal linksreformistisch ist. Diese Programme sind rechts von der linksreformistischen Politik der 1970er/80er Jahre. Dies spiegelt sich auch im Charakter der neuen Parteien wider, die noch keine Arbeiter*innenparteien sind, aber oft Elemente von „zwei Parteien in einer“ umfassen und denen aktive Beteiligung der Arbeiter*innenklasse mangelt. Die Klassenzusammensetzung und Organisationsmethoden (z.B. „horizontale“ Strukturen, einschließlich Online-Abstimmungen) von Parteien wie Syriza, Podemos, dem Linksblock und Momentum sind hauptsächlich eine Widerspiegelung der beteiligten Schichten – halb-Arbeiter*innenklasse, kleinbürgerliche und halb-kleinbürgerliche –, die durch die kapitalistische Krise radikalisiert wurden.

39. Die Führung von IR ignoriert diese Schwächen und malt die Lage schön. In Diskussionen kamen sie zu dem Schluss, dass das IS zumindest teilweise für die Krise im CWI verantwortlich sei, wegen der Betonung, die wir auf die Frage des Zurückwerfens des sozialistischen Bewusstseins und der Organisation der Arbeiter*innenklasse legten. Dies, so behaupteten sie, gab der opportunistischen Wendung der NFF-Führung eine Rechtfertigung. Aber Trotzkist*innen können sich nicht weigern, ein Problem zu identifizieren, weil einige darauf opportunistisch reagieren können. Die Aufgabe der Führung ist es, das Problem zu diagnostizieren und es dann prinzipienfest zu behandeln.

40. Revolutionäre Sozialist*innen sind optimistisch, aber es ist auch wesentlich, dass eine realistische Einschätzung der objektiven Lage und der subjektiven Stärken und Schwächen gemacht wird, um den Klassenkampf richtig einzuschätzen und effektiv in ihn einzugreifen. Wir können unsere Köpfe nicht in den Sand stecken und die objektiven und subjektiven Bedingungen, die es derzeit gibt, leugnen. Diese Fragen erneut zu diskutieren, bedeutet zu der Polemik zurückzukehren, die wir mit der Grant/Woods-Gruppe hatten, die den Prozess der kapitalistischen Restauration bis 1997 leugnete und weiterhin ihre Auswirkungen auf die Arbeiter*innenklasse und ihre ehemaligen Parteien und Organisationen leugnet. Diese Entwicklungen zu leugnen, ist die Antwort einer von der Realität abgekapselten Sekte. Die Leitung von IR enthüllte zu unserer Überraschung, dass sie in diesen Fragen immer noch mit der IMT-Herangehensweise einverstanden war.

41. Angesichts dieser Verleugnung weigert sich die Führung von IR, zu akzeptieren, dass es zum Zeitpunkt der Indignados-Bewegung im spanischen Staat einen Hinweis auf ein „Anti-Parteien“-Bewusstsein gab. Dies war ein Merkmal der Lage nicht nur in Spanien, sondern war auch eine Zeit lang in Griechenland, Brasilien, Chile und vielen anderen Ländern zu beobachten. Dies war eine vorübergehende Stimmung, die sich ziemlich schnell änderte, was zu einem späteren Zeitpunkt zum Anwachsen von Podemos in Spanien führte. Jedoch zu leugnen, dass dies seinerzeit ein Problem war, bedeutet, den Kopf in den Sand zu stecken, um die Lage schönzureden. Die Schlussfolgerung der IR-Führung zu dieser Frage ist völlig einseitig. Wir müssen einen Kampf unterstützen und uns daran beteiligen, echte Massenparteien der Arbeiter*innenklasse mit einer aktiven Mitgliedschaft in der Arbeiter*innenklasse aufzubauen, die als Instrumente des Kampfes und als Forum für den Kampf für ein sozialistisches Programm dienen. Solche Parteien können durch eine Reihe von Kämpfen entstehen, mit vielen Fehlstarts. Die neuen linken Parteien, die entstanden sind, sind jedoch noch nicht von diesem Charakter. Die Zukunft der bestehenden linken Parteien ist bei weitem nicht gesichert, wie das Beispiel von Syriza zeigt.

42. Die selbe Herangehensweise spiegelte sich in den Argumenten der IR-Führung in Bezug auf den Prozess der Revolution und Konterrevolution in Venezuela wider. Die Führung der IR greift die IS-Mehrheit an, weil sie eine Unterscheidung zwischen der chilenischen Revolution 1970-73 und Venezuela getroffen hat. Dies war angeblich ein „theoretischer Fehler“ – obwohl sie nie erklärten, wo der theoretische Fehler zu finden war. Wie wir jedoch in der Analyse des CWI zu Venezuela erklärt haben, war die top-down, bürokratische Idealisierung Chávez‘ in der Art der lateinamerikanische „Caudillo“-Tradition eine Schwäche. Dies war sehr verschieden von Chile, wo ein höheres Bewusstsein bestand, zum Teil aufgrund der stärkeren und längeren Tradition der unabhängigen Arbeiter*innenparteien und -organisationen. Allende wurde natürlich von den chilenischen Massen verehrt, aber er wurde nie in der gleichen Weise wie Chávez gesehen. Er wurde von der Arbeiter*innenklasse und den verschiedenen existierenden Massenparteien, darunter die Kommunistische Partei, die verschiedenen Fraktionen der Sozialistischen Partei und die MIR, der Kritik unterworfen. Wir sollten nicht vergessen, dass die Bildung der Cordones Industriales – embryonaler sowjetartiger Organisationen – in Opposition zur Kommunistischen Partei, zum rechten Flügel der Sozialistischen Partei und zum Gewerkschaftsbund CUT war. Die Konsequenzen des Zusammenbruchs der ehemaligen stalinistischen Staaten spiegelten sich in Castros Aussage wider, dass es „so war, als wäre die Sonne untergegangen“. Er meinte es natürlich unter dem Gesichtspunkt, dass Kuba seine materielle Unterstützung durch die UdSSR verlor, aber seine Bemerkungen spiegelten auch das Ausmaß der politischen Folgen wider, die dies für die Arbeiter*innenklasse und ihre Organisationen international hatte. Dies zu leugnen bedeutet, den Kopf in den Sand zu stecken.

43. Diese Fragen wurden alle während des Einigungsprozesses mit IR diskutiert, und einige der Themen wurden auf der internationalen Tagung nach dem Einigungsprozess diskutiert. Die Führung von IR erklärte zu diesem Zeitpunkt, dass sie mit der allgemeinen Analyse des CWI zu diesen Fragen einverstanden sei – mit Ausnahme des Bestehens einer Antiparteienstimmung zum Zeitpunkt der Indignadosbewegung. Was jetzt klar ist, ist, dass IR ihre realen Positionen maskiert hat, zu denen sie nun zurückgekehrt sind. Sie sind zu der Herangehensweise der IMT zu diesen wichtigen Fragen zurückgekehrt.

44. Für die Führung von IR reduziert sich das Thema einfach auf die subjektive Frage nach der Krise der Führung der Arbeiter*innenklasse und der Notwendigkeit von revolutionären sozialistischen Massenparteien. Das CWI hat immer die entscheidende Frage der Führung, und die Notwendigkeit des Aufbaus revolutionärer Parteien allgemein, für eine erfolgreiche Revolution erkannt. Selbst wenn es der Arbeiter*innenklasse gelingen sollte, die Macht ohne eine Partei zu übernehmen, was eine theoretische Möglichkeit ist, müsste eine Partei danach schnell aufgebaut werden. Jedoch ist die Frage nach dem politischen Bewusstsein der Arbeiter*innenklasse, das ein subjektiver Faktor ist, auch mit der Frage verbunden, wie man die Krise der Führung löst und Teil der objektiven Lage wird. Wenn es nur um die Krise der Führung und das Fehlen einer revolutionären Massenpartei ginge, warum hat dann keine revolutionäre Partei oder Organisation irgendwo in der letzten Zeit ein erhebliches Wachstum und eine erhebliche Entwicklung erlebt?

45. Wenn es nur eine Frage der Partei ist, warum hat IR dann nur ein minimales Wachstum mit insgesamt etwa 350 Mitgliedern erlebt, nachdem sie solche massiven Jugendmobilisierungen angeführt hat? Zur Zeit des britischen Bergarbeiter*innenstreiks schlossen sich 500 Bergleute Militant an. Im Liverpool-Kampf haben wir fast 100 in einer Nacht gewonnen! Dies und das explosive Wachstum der POUM, die während der spanischen Revolution in sechs Wochen auf 70.000 wuchs, oder der Bolschewiki (die während der russischen Revolution von siebentausend auf hunderttausende wuchsen), zeigen alle, dass die subjektiven Faktoren von Partei und politischem Bewusstsein und die objektive Lage miteinander verbunden sind. Differenzen in all diesen Fragen führten dazu, dass die IR-Führung angab, dass sie die Fraktion verlassen werde, wie sie es später tat, und erklärte, dass es daher keinen Sinn machen würde, dass sie im CWI bleiben.

46. Wir haben diesen inneren politischen Kampf auf einer prinzipientreuen Grundlage gegen die NFF und jetzt auch gegen die spanische und portugiesische Führung geführt. Der Kampf brach bei Fragen im Zusammenhang mit der irischen Sektion aus. Obwohl wir mit der irischen Führung völlig anderer Meinung sind, waren wir nicht bereit, die Geschichte des CWI umzuschreiben und das, was die irische oder andere Sektionen bei der Durchführung wichtiger Kämpfe erreicht haben, zurückzuweisen. Peter Taaffe schrieb kürzlich eine Einleitung zu „Verteidigung des Marxismus“, in der er die Rolle der irischen Sektion in früheren Kämpfen anerkannte, einschließlich der Wassergebührenkampagne, der Jobstown-Prozesse und der jüngsten Abtreibungskampagne. Die spanische Führung wollte, dass diese Hinweise entfernt würden. Aber wir waren nicht bereit, dabei mitzugehen, unsere Geschichte aufgrund des aktuellen Fraktionskampfes umzuschreiben.

47. Das CWI durchläuft derzeit eine Zeit der Bewährung. Dies fand ein Echo in allen Organisationen, die beanspruchen, zur revolutionären Linken zu gehören. Der Unterschied zu ihnen besteht darin, dass wir politisch stärker werden, indem wir dabei junge Kader stählen und entwickeln, die eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und dem Ausbau unserer Kräfte zu einem späteren Zeitpunkt spielen werden. Was hinter dieser Krise liegt, sind an der Wurzel objektive Faktoren und eine politische und theoretische Atrophie, die sich auf die Führung vieler Sektionen auswirkt. Dies spiegelt sich in einem opportunistischen Trend wider. Dieser Trend hat sich an die aktuelle Sachlage angepasst und ist in unterschiedlichem Maße dem Druck der Identitätspolitik erlegen.

48. Die internationale Fraktion weist die Behauptung zurück, es handele sich um einen Streit zwischen einer alten, konservativen Führung die den Kontakt verloren hat, und denen, die angeblich bereit sind, sich den „neuen Bewegungen“ zu stellen. Im Gegenteil, es ist ein Kampf zur Verteidigung der Methoden und Ideen des Trotzkismus – der Zentralität der Arbeiter*innenklasse und der Orientierung, in ihren Organisationen zu intervenieren – im Gegensatz zu einer opportunistischen Suche nach Abkürzungen. Dies ist ein entscheidender Kampf für die Zukunft des CWI und des Trotzkismus. Die internationale Fraktion wird daher eine internationale Konferenz ihrer Mitglieder und Unterstützer*innen einberufen, um die Debatte zu bewerten und die nächsten Schritte festzulegen, die zur Verteidigung der Politik, des Programms und der Methoden, auf denen das CWI 1974 gegründet wurde, erforderlich sind. Aber möge daran kein Zweifel bestehen, dass diese Krise zu einem stärkeren, kampferprobten CWI führen wird, das gut positioniert ist, um den kommenden revolutionären Stürmen zu begegnen.


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