[Nach „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“, 16. Jahrgang Nr. 1, 10. Januar 1906, S. 1]
Die „Gleichheit“, das Organ der deutschen Genossinnen, beginnt mit dieser Nummer ihren 16. Jahrgang.
Wie in den vergangenen Jahren, so wird die Zeitschrift auch fürderhin die treue Beraterin der Proletarierinnen für ihre Beteiligung am Befreiungskampf ihrer Klasse sein. Sie wird wie seither mit aller Energie und Schärfe kämpfen für die volle sozialeBefreiung der proletarischen Frauenwelt, wiesie einzig und allein möglich ist in einer sozialistischen Gesellschaft. Denn nur in einer solchen verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhältnissen die Ursache jeder gesellschaftlichen Unterdrückung und Unfreiheit: die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Menschen von einem anderen Menschen; denn nur in einer solchen verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhältnissen der Gegensatz zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden, der soziale Gegensatz zwischen Mann und Frau, zwischen Kopfarbeit und Handarbeit. Die Aufhebung dieser Gegensätze kann jedoch nur erfolgen durch den Klassenkampf: die Befreiung des Proletariatskann nur das Werk des Proletariats selbst sein. Will die proletarische Frau frei werden, so muss sie sich der allgemeinen sozialistischen Arbeiterbewegung anschließen. Und nur ihr, keineswegs aber der bürgerlichen Frauenrechtelei, die zwar zugunsten des weiblichen Geschlechtes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft reformieren will, aber grundsätzlich eine Revolution der Gesellschaft zugunsten der ausgebeuteten Klasse zurückweist. Die proletarischen Frauen zum Klassenkampf zu rufen und für den Klassenkampf zu schulen, das wird wie bisher so in Zukunft die vornehmste Aufgabe der „Gleichheit“ bleiben. Ihrem alten Programm getreu wird sie auch im kommenden Jahre werben für den Streit, in dem „ein Hüben und Drüben nur gilt“.
Daneben will jedoch die „Gleichheit“ noch weitere Aufgaben erfüllen. Jede Nummer hat eine Beilage, welche, abwechselnd in der Reihe des Erscheinens, der allgemeinen Bildung der proletarischen Frau, ihrer besseren Ausrüstung fürdie Pflichten als Mutter und Hausfrau gewidmet ist und Kinderlektüre bringt, die in dem heranwachsenden proletarischen Geschlecht sozialistisches Fühlen und Denken fördern soll. Das Blatt hat im Laufe des letzten Jahres seinen Leserkreis um viele Tausende vermehrt. Wir hoffen, dass es sich 1906 die alten Sympathien erhält und neue Freunde erwirbt.
Verlag und Redaktion werden tun, was in ihren Kräften steht, damit die „Gleichheit“ ihren Aufgaben gerecht wird. Ihr Preis beträgt vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig.
Probe- und Agitationsnummern werden jeder – zeit gratis abgegeben. Eme recht weite Verbreitung der „Gleichheit“ hofft
Die Redaktion und der Verlag.
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