Unser Korrespondent, der kürzlich in Teheran war: Iran – Arbeiter*innen widersetzen sich Chomeinis Versuch, die Uhr zurückzudrehen

[Eigene Übersetzung des englischen Texts in Militant, Nr. 448, 23. März 1979, S. 2]

In islamischen Ministerien darf keine Sünde begangen werden. Frauen sollten bei der Arbeit in diesen Ministerien nicht nackt sein … sie müssen gemäß religiösen Standards gekleidet sein.“

Mit diesen Worten startete Ayatollah Chomeini, der führende Vertreter des Zentralen Islamischen Revolutionskomitees, am 7. März eine Kampagne, um iranische Frauen zu zwingen, die traditionelle muslimische Kleidung [den Hidschāb] und insbesondere den Tschador [einen Schleier], der ihre Haare bedeckt, zu tragen.

Fanatische Unterstützer*innen Chomeinis gingen sofort zur Tat über und griffen Frauen an, die keinen Schleier trugen. Drei Teheraner Mädchenschulen wurden am nächsten Tag gezwungen zu schließen, da muslimische Eiferer unverhüllte Schülerinnen angriffen.

Nach der Erklärung des Schwiegersohns des Ayatollahs, Hojatol-lslam-Esharqui, dass alle Frauen, „einschließlich derjenigen religiöser Minderheiten“, einen Tschador tragen sollten, wurden auch Schülerinnen der katholischen Mariam-Schule in Teheran von einem Mob angegriffen.

Vor dem Landwirtschaftsministerium schickten Männer, die „Nackte Frauen sind hier nicht mehr erlaubt“ riefen, viele Sekretärinnen weg, die zur Arbeit gehen wollten.

Doch Chomeinis Versuch, die Uhr zurückzudrehen und das dauerhafte Verweisen von Frauen auf einen zweitrangigen Status zu erzwingen, rief enorme Opposition hervor. Es hatte bereits Frauendemonstrationen gegen die Abschaffung des Familienschutzgesetzes durch das neue Regime gegeben. Obwohl es vom Schah verabschiedet worden war, gewährte es Frauen einige Rechte in Fragen wie Scheidung und Familienvermögen und gegen die Abschaffung von Koedukation im Iran.

Demonstrationen begannen sofort in Teheran gegen diesen Versuch, die Gesellschaft in das Dunkle Zeitalter zurückzuversetzen.

Krankenschwestern in mehreren Krankenhäusern traten in den Streik, bis eine Entscheidung darüber getroffen würde, ob sie einen Tschador würden tragen müssen. Frauendemonstrationen und einzelne Frauen auf den Straßen wurden von religiösen Fanatikern gewaltsam angegriffen.

Aber diese Angriffe auf die Frauen lösten Proteste von Arbeiter*innen und Jugendlichen aus.

Als ein Busfahrer – um ein Beispiel zu geben – begann, eine Gruppe von etwa 300 Schülerinnen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die mutig gegen den Zwang, einen Tschador zu tragen, protestierten, körperlich anzugreifen, griffen Umstehende, die den Mädchen zugeschaut hatten, sofort ein und gingen energisch gegen den Busfahrer vor.

Aus Angst vor ernsthaften Unruhen in dieser Frage erkannten die Mullahs (Priester), die mehr mit der Stimmung der Massen in Kontakt standen, dass ein gewisser Rückzug gemacht werden musste.

Ayatollah Taleghani aus Teheran, der sensibler für die Stimmung des Volkes ist als Chomeini, versuchte zu erklären, dass Chomeinis Aussage „eher ein Wunsch als ein Befehl“ sei und dass „es nicht darum geht, den Tschador aufzuzwingen. Wenn wir über den Hidschāb sprechen, meinen wir würdevolle Kleidung, den Schleier der Würde, den Schleier der Persönlichkeit.”

Trotz dieser Erklärung gingen die Demonstrationen jedoch weiter und breiteten sich auf Täbris und Abadan aus. Solch weit verbreitete Empörung über die Angriffe auf unverschleierte Frauen zwang Chomeinis Sprecher dazu, Erklärungen abzugeben, in denen sie die Eiferer verurteilten, und sogar Chomeinis Komitee entsandte einige seiner Milizionäre, um die Frauenmärsche in Teheran zu schützen.

Angesichts dieser wachsenden Opposition war Chomeini selbst fünf Tage nach seiner ursprünglichen Erklärung gezwungen, zurückzurudern: „Die von Ayatollah Taleghani zum Hidschāb ausgedrückten Ansichten“, verkündete er, „sind mit meinen identisch“.

Die iranische Revolution begann als Bewegung gegen die Diktatur des Schahs und für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Massen. Die iranischen Arbeiter*innen und die Mittelschicht interpretierten die Reden der Mullahs, insbesondere die Chomeinis, als Aufruf zum Kampf gegen den Schah und für Freiheit und ein besseres Leben.

Die reaktionären, religiösen Ideen der Mullahs spielten keine Rolle dabei, das iranische Volk, insbesondere die Arbeiter*innenklasse, gegen den Schah zu mobilisieren. Deshalb wird den Mullahs jetzt, wo sie versuchen, die Uhr zurückzudrehen und ihre reaktionären Ideen umzusetzen, von den Arbeiter*innen und anderen radikalisierten Teilen der Bevölkerung, die entschlossen sind, sich nie wieder zwingen zu lassen, ein reaktionäres, repressives Regime zu erleiden, ein Halt! zugerufen.


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