[eigene Übersetzung des englischen Textes in Militant, Nr. 439, 19. Januar 1979, S. 16]
Die Flucht des Schahs ins Exil bedeutet nicht das Ende der iranischen Revolution – sie ist erst der Anfang.
Die anschaulichste Illustration der Stimmung im Iran war die Verbrüderung des Volkes mit der Armee. In einer Geste, die an das Jahr 1974 in Portugal erinnert, steckten Soldaten rote Nelken in ihre Gewehre.
Es war die Erkenntnis, dass die Armee bei weitem nicht mehr als völlig zuverlässig angesehen werden konnte, die die führenden US-Vertreter*innen vor zwei Wochen dazu veranlasste, die Hardliner unter den Generälen davon abzuhalten, einen Putsch durchzuführen.
Monate von Massenunruhen hatten begonnen, auch die Truppen anzustecken. Meutereien brachen aus, und in einigen Fällen erschossen Offiziere Kadetten, die sich den Demonstrationen anschließen wollten.
Da das repressive Regime des Schahs zerbröckelte, war eine neue Herangehensweise erforderlich. Nachdem sie den Schah abserviert hatten, hoffte der US-Imperialismus, dass sie sich zumindest vorläufig auf Premierminister Bachtiar verlassen konnten, um ihre Position zu retten.
Aber Bachtiar ist ein Mann inmitten eines polarisierten Landes. Er vertritt den liberalen kapitalistischen Flügel und wird einen Konflikt mit den Arbeiter*innen und Bäuer*innen nicht vermeiden können.
Der einzige gemeinsame Punkt der Opposition war die Beendigung der Herrschaft des Schahs.
Khomeini, der im Exil lebende muslimische Religionsführer, scheiterte mit seinen Versuchen, die Kontrolle über den Streik der Ölarbeiter*innen zu erlangen. Die Arbeiter*innen weigerten sich, die Produktion in einem für den Bedarf des Iran ausreichenden Umfang wieder aufzunehmen.
Die wirtschaftlichen und sozialen Missstände und Forderungen, die der iranischen Revolution zugrunde liegen, werden Khomeini untergraben.
Die wirtschaftlichen und sozialen Beschwerden und Forderungen, die der iranischen Revolution zugrunde liegen, werden Khomeinis Hoffnungen auf ein theokratisches islamisches Papsttum untergraben. Seine derzeit hohe Glaubwürdigkeit wird zerstört werden, wenn die Massen ihren Kampf für zivilisierte Bedingungen fortsetzen.
In dieser Lage sind die Wachstumschancen für eine marxistischen Bewegung gewaltig. Die Arbeiter*innen sind sich ihrer Macht bewusst geworden: Sie haben den Schah zum Fliehen gezwungen! Alle Panzer, alle Polizisten, alle brutalen Folterer der SAVAK waren nutzlos, als die Massen der Arbeiter*innen auf die Straßen gingen.
Bachtiars Regierung kann nur eine Übergangsregierung sein. Auch Khomeini wird, selbst wenn er durch den vielfach vorgeschlagenen Islamischen Revolutionsrat direkten Einfluss erlangt, keine dauerhafte Stabilität liefern können.
Arrogante und ungeduldige Oberste warten zweifellos hinter den Kulissen auf ihre Stunde. Diese Woche warnte ein mysteriöser „kaiserlicher Gesandter“, dass es zu einem Staatsstreich kommen würde, wenn Khomeinis nicht zusammenarbeite, und „die Armee zunächst zwei oder drei Millionen Menschen töten müsste. Es würde Massenmorde geben.“ für den Moment sind die Obersten handlungsunfähig.
Aber wenn sich die Arbeiter*innenbewegung nicht für eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft organisiert, besteht später die reale Gefahr einer Reaktion, der Rückkehr des Schahs oder einer noch schlimmeren Diktatur.
Demokratie im Iran kann nur garantiert werden, wenn die Arbeiter*innen die vollständige Kontrolle über die Industrie und den Staat übernehmen.
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