Lynn Walsh: Der Aufstieg und Fall der Pahlewi-Dynastie

[eigene ältere Übersetzung, Militant, 26. Januar 1979, S. 10]

Als der Schah letzte Woche schließlich das Land verließ, füllten Hunderttausende jubelnde Demonstrant*innen die Straßen, um seine Abreise zu feiern. Porträts und Statuen – die noch übrig waren – wurden niedergerissen und zerstört, die Überbleibsel des Pfauenthrons zerbröselten wie eine Mumie an der frischen Luft.

Der tiefgreifende Hass der iranischen Massen auf den Schah und die monarchische Diktatur, die den Schweiß und das Blut der iranischen Massen aufgesaugt hatte, war nicht misszuverstehen.

Trotz der grandiosen Behauptung des Schah, der wahre Sohn der 2500 Jahre alten Dynastie des Iran zu sein, datiert seine Pahlewi- „Dynastie“ erst seit 1925. Sie wurde von seinem Vater Resa Khan gegründet, der keineswegs als Herrscher geboren wurde, sondern tatsächlich die Macht durch einen Militärputsch 1921 erlangte.

Resa Khan ertränkte unter Verwendung der berüchtigten Kosaken-Brigade die Gilan-Sowjetrepublik im Blut, die im Norden des Landes unter dem Einfluss der russischen Revolution gegründet worden war. Man braucht nicht erst zu erwähnen, dass Resa Khan zwar ein paar antiimperialistische Phrasen verwandte und ein paar begrenzte Reformen durchführte, aber sein sehr unterdrückerischer Staat der Verteidigung der iranischen Eigentum besitzenden Ausbeuter*innen gewidmet war.

Wie viele andere Emporkömmlinge vor ihm, versuchte Resa Khan sein Regime zu legitimieren, indem er es mit allem monumentalen Pomp und Zeremonien einer antiken Dynastie umgab. Er begann, die weitgehend bäuerliche Bevölkerung mit verdrehter Geschichte und monarchistischer Scheinheiligkeit zu erfreuen, was unter seinem Sohn beispiellose Ausmaße erreichte.

Resa Khan übernahm eine nationalistische Pose, aber unter seiner Herrschaft blieb das Land ein Satellit des britischen Imperialismus und britische Geschäftsinteressen saugten die Hauptprofite aus der sich entwickelnden Ölindustrie des Landes heraus.

Aber 1941 verjagten Britannien und Russland (die momentan Verbündete waren) den ersten Pahlewi, weil sie sich über seine Zuverlässigkeit im Krieg gegen Nazi-Deutschland unsicher waren. Die Alliierten waren entschlossen, völlige Kontrolle über diese strategisch entscheidende Region zu haben, und installierten seinen formbareren Sohn Mohammed Resa Pahlewi als Schah.

Marionette

So war der jetzt gestürzte Schah von Anfang an eine Marionette, wenn er auch in den letzten Jahren begonnen hat, undankbar an den Fäden zu zerren, die seine mächtigen Mentoren einst so fest hielten.

Obendrein war der jüngste ruhmlose Abzug des Schah nicht sein erster. Im Sommer 1953 wurde der stolze Pfau der späteren Jahre durch eine Massenbewegung auf den Straßen gezwungen, nach Bagdad und von da aus nach Rom zu gehen.

Die Bedrohung des Pahlewi-Regimes kam von der radikalen nationalistischen Bewegung unter Führung von Mossadegh. Irans Kommunistische Partei, die Tudeh, die durch ihre erzwungene Rolle als Werkzeug der Moskauer Außenpolitik und ihren Mangel an unabhängiger Klassenpolitik gehemmt war, schaffte es überhaupt nicht, beträchtlichen Einfluss zu erlangen. Wie in Indien unter Gandhi und in Ägypten unter Nasser war es die liberal-kapitalistische nationalistische Partei, die an die Spitze der Volksbewegung kam.

1951 wurde Mossadegh zum Ministerpräsidenten gewählt und begann sofort, das Öl des Landes zu verstaatlichen, um das Abfließen der Profite ins Ausland aufzuhalten. Der britische Imperialismus organisierte sofort für seien Sturz, und verwandte dabei sowohl wirtschaftlichen Druck als auch verdeckte Sabotage im Iran.

1952 versuchte der Schah, Mossadegh zu entlassen, scheiterte aber. Aber im nächsten Jahr entschlossen sich die Vereinigten Staaten, die den Iran als wichtigen Front- und Pufferstaat gegen russisches Eingreifen im Nahen Osten und Südasien betrachteten, zum Handeln.

Massendemonstrationen gegen die Monarchie brachten den Schah hastig ins Exil. Aber Mossadeghs Nationale Front war bloß eine lockere Gruppierung von Mittelschicht-Politiker*innen. Sie war unfähig, für soziale und wirtschaftliche Forderungen zu kämpfen, die eine Massenbewegung für eine grundlegende Änderung der Gesellschaft zusammengeschmiedet hätten.

CIA-Hilfe

Die Vereinigten Staaten nutzten Mossadeghs instabile Lage und gingen – durch die Central Intelligence Agency und mit Hilfe durch den britischen Geheimdienst – an die Arbeit. Kongress-Untersuchungen nach Watergate und auch Berichte aus erster Hand von CIA-Agent*innen selbst haben die Schlüsselrolle der CIA bei der Wiederherstellung des Schah-Regimes umfassend bestätigt.

Gold und Provokateur*innen wurden geschickt, um Unruhe zu schaffen und den reaktionären Kräften zu helfen. Die mit US-Waffen gestützte und der Unterstützung durch die amerikanische Regierung versicherte iranische Armee verhaftete Mossadegh und rollte für die Rückkehr des Schah den roten Teppich aus.

Als der Schah wieder auf dem Thron saß, ging er daran, seine Rechte noch sicherer zu machen – diesmal mit der großzügigen Hilfe der USA, die den Iran als Bollwerk ihres Einflusses aufbauen wollte.

Alle organisierte politische Opposition wurde zerschlagen und echte Gewerkschaften wurden illegal. mit US-Unterstützung begann der Schah seine große Militärmaschine wiederzubewaffnen, sowohl gegen Massenopposition im Innern als auch gegen Feinde außerhalb.

Obendrein organisierte der Schah 1956 die Sicherheitsdienste um und bildete die jetzt berüchtigte Geheimpolizei SAVAK, die rücksichtslos die Gegner*innen jagte.

Selbst damit war der Schah nicht völlig sicher. Trotz der Verkündung der sogenannten „weißen Revolution“ 1963, einem Programm, das angeblich dem Iran Wohlstand und Demokratie bringen würde, gab es in diesem Jahr eine neue Revolte gegen die Diktatur.

Der Schah überlebte, indem er Tausende in den Straßen niederschoss. Die Unterdrückung wurde wieder verstärkt. Obendrein wurde damals der Ajatollah Khomeini ins Exil in die Türkei [vielmehr Irak? – der Übersetzer] und später nach Paris geschickt – um seinen Zeitpunkt der Rache zu erwarten.

Der Schah beschleunigte dann seine Reformen. Die wichtigsten waren auf dem Lande. Mitgeschleppte Feudalbeziehungen wurden abgeschafft – um die Entwicklung kapitalistischer Pacht- und Anbautechniken zu beschleunigen. Dies beschleunigte die Massenabwanderung in die Städte – eine Vorbedingung für die Modernisierung des Landes.

Abgesehen von der Zerstörung der modernen Bäuer*innenschaft, wurde mit enormen Kosten für die schnell wachsende städtische Arbeiter*innenklasse, die unter grässlichen Bedingungen leben und arbeiten musste, Industrialisierung erreicht.

Aber die Modernisierung verlängerte die Galgenfrist für den Schah. Die bonapartistische Monarchie zog die schwächliche Kapitalist*innenklasse des Landes ins 20. Jahrhundert und nahm das Wirtschaftsprogramm der Nationalen Front zu großen Teilen vorweg, so dass ihre Unterstützung sehr verringert wurde.

Gleichzeitig wurden der Schah und seine Familie und ihr Anhang wie andere selbsternannte Treuhänder mit den Handelsprivilegien, die sie sich sicherten – und den sprichwörtlichen „Prozenten“, den saftigen Bestechungsgelder des Ostens – märchenhaft reich.

Aber wie alle „starken“ Staaten war der des Schah ein Krisenregime. Ihm fehlte sichere Unterstützung selbst in der Mittelschicht, es fürchtet vor allem die Revolte derjenigen, die die Hauptlast der Wirtschaftsentwicklung trugen, der Arbeiter*innenklasse.

Daher die Unverzichtbarkeit der SAVAK. Im letzten Jahrzehnt oder so wurde diese schändliche Organisation, deren Teams von Sadisten bewusst mögliche Gegner*innen einschüchterten, indem sie praktisch willkürlich folterten, auf der ganzen Welt berüchtigt.

Schlechte Träume

Nach der Mode der meisten persönlichen Diktatoren behauptet der Schah, er wisse nichts von den Folterkammern; es sei die nicht genehmigte Arbeit der Lakaien; er sei von seinen Ratgebern falsch informiert worden etc. Aber wer wird diesen kläglichen, widerwärtigen Dementis eines gefallenen Diktators glauben?

In den letzten Jahren begann der Zauberlehrling, seine Unabhängigkeit im großen Stil zu zeigen. Der Iran wurde nach dem Nahostkrieg 1973 von einer Beute der Ölgesellschaften zu einem der radikalsten Mitglieder der OPEC.

Der Schah wurde durch die aufgeblähten Öleinnahmen fett und kaufte noch mehr Industrieanlagen aus dem Westen und vermehrte sein Arsenal mit den teuersten und ausgefeiltesten Waffen.

Schah Pahlewi stellte sich als Führer einer Großmacht dar und begann, führenden westlichen Vertreter*innen Vorträge über die furchtbare Dekadenz ihrer Gesellschaften zu halten und erteilte ihnen Ratschläge über den besten Umgang mit politischer Opposition und Streiks.

Aber es scheint, der Schlaf des Schah wurde von schlechten Träumen geplagt. Er litt unter einem wiederkehrenden Albtraum, in dem er die Wiederkehr von Mühen und Schwierigkeiten sah. Er und seine Familie, nach Berichten eine der reichsten der Welt, brachten ihr Geld vorsorglich auf Schweizer Bankkonten und kauften Grundstücke in Europa und Amerika – als Sicherung gegen Revolution.

Aber beim Päppeln der industriellen Entwicklung, um sein Regime mächtiger zu machen, bereitete der Schah die Mittel für seine eigene Zerstörung vor. Opposition kann lange unterdrückt werden, aber die Entwicklung von Fabriken, Transport, Ölproduktion muss einfach eine Arbeiter*innenklasse erzeugen, die wächst und ihre Stärke fühlt und einen Anteil am neuen Reichtum fordern wird – und gegen die Schranken der Diktatur drängen wird.

Die revolutionären Ereignisse der letzten Wochen, die den Schah erneut hastig ins Exil geschickt haben, diesmal höchstwahrscheinlich für immer, zeigen, dass das junge Proletariat des Iran erwachsen wird.

Nachdem sie den Schah gestürzt haben, werden sie jetzt fortfahren, für alle Ausbeuter*innen auf ihrem Rücken ein Grab zu schaufeln.


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