[Eigene Übersetzung des Leserbriefs, The Militant, Nr. 440, 26. Januar 1979, S. 12]
Genoss*innen
Es kann keinen Zweifel daran geben, dass die großartige Bewegung der iranischen Arbeiter*innen alle herrschenden Klassen und Eliten weltweit überrascht und entsetzt hat. In weniger als einem Jahr wurde der scheinbar stabile und sichere Schah so gut wie vollständig von seinem Thron gestürzt.
Zunächst hofften die Herrscher*innen der Welt, diese Galionsfigur beibehalten zu können. Die Reden Owens und des britischen Botschafters im Iran sowie die Geburtstagsglückwünsche, die der Schah von Carter, Breschnew und Hua erhielt, bezeugten dies. Aber als sich die iranische Revolution fortsetzte und entwickelte, wurde klar, dass die Tage des Schahs gezählt waren, und seine Unterstützer*innen begannen, sich von seinem Regime zu distanzieren.
Erst zu diesem Zeitpunkt begann die russische Bürokratie, die US-Regierung zu warnen, sich nicht in den Iran einzumischen.
Die Drehungen und Wendungen ihrer Politik gegenüber dem Iran zeigen deutlich, dass das letzte Ziel, das sie im Sinn haben, die Unterstützung einer sozialistische Revolution im Iran ist. Sie haben den Sturz des Kapitalismus in Ländern wie Vietnam, Angola oder Afghanistan nicht abgelehnt, weil dort ähnliche Regime wie ihr eigenes errichtet wurden, d.h. Planwirtschaften, in denen die Macht jedoch in den Händen einer bürokratischen Elite konzentriert ist.
Diese Länder sind keine Arbeiter*innendemokratien, deren Existenz eine Bedrohung für die russische Elite darstellen würde. Die russische Bürokratie kam an die Macht, indem sie die Arbeiter*innendemokratie unterdrückte, die in Russland unmittelbar nach der Revolution existierte. Seitdem hat sie jede Bewegung in Richtung Arbeiter*innendemokratie niedergeschlagen, wie 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei.
Der Sturz des Kapitalismus in einer Reihe von unterentwickelten Ländern in den letzten Jahren, der ein herben Schlag für den Imperialismus und ein enormer Fortschritt war, wurde von der russischen Bürokratie als Ausweitung ihrer Einflussbereich auf Kosten des Imperialismus unterstützt.
Es war die großartige Bewegung der iranischen Arbeiter*innenklasse, die den Sturz des Schahs angeführt hat. Die Streiks der Öl-, Bank- und Ladenarbeiter*innen untergruben die Diktatur vollständig. Die iranische Arbeiter*innenklasse hat die Stärke der mehr als 10 Millionen Arbeiter*innen, 36% in der Industrie und 31% im Dienstleistungssektor, demonstriert.
Hätte im Iran eine bolschewistische Partei existiert, wäre die Arbeiter*innenklasse bereits an der Macht und würde mit dem sozialistischen Umbau der Gesellschaft beginnen. Das Fehlen einer solchen Partei im Iran birgt die große Gefahr für die iranische Revolution, dass die herrschende Klasse diese Krise überstehen und zu einem späteren Zeitpunkt einen Gegenangriff auf die Arbeiter*innenklasse starten könnte.
Wegen der Stärke der iranischen Arbeiter*innen sieht die russische Bürokratie die Revolution in einem anderen Licht als beispielsweise den Sturz des Kapitalismus und des Großgrundbesitzes in Afghanistan im letzten Jahr. Die russische Bürokratie befürchtet, dass die iranische Arbeiter*innenklasse eine echte sozialistische Revolution durchführen und eine Arbeiter*innendemokratie errichten könnte.
Aber bedeutet die Tatsache, dass die iranischen Arbeiter*innen in ihrem Kampf um die Schaffung der Grundlagen einer sozialistischen Gesellschaft gegen den amerikanischen Imperialismus und den Stalinismus werden kämpfen müssen, dass sie besiegt werden? Im Gegenteil, die Angst sowohl der imperialistischen als auch der stalinistischen führenden Vertreter*innen beruht auf der Tatsache, dass eine erfolgreiche sozialistische Revolution in der kapitalistischen Welt oder eine politische Revolution in den stalinistischen Ländern das Ende des Kapitalismus und des Stalinismus in der ganzen Welt bedeuten würde.
Daher hat Ian Sugarman nicht Recht, wenn er schreibt, dass „es scheint, dass … Breschnew und Hua kurzfristig die einzige Hoffnung für die Arbeiter*innen im Iran darstellen“. Die Errichtung eines deformierten Arbeiter*innenstaates im Iran würde bedeuten, dass die iranischen Arbeiter*innen eine weitere Revolution würden machen müssen, um die bürokratische Elite zu entfernen. Die einzige Politik, die im Interesse der iranischen und anderer Arbeiter*innen handeln kann, ist eine internationalistische Politik, die die Unterstützung der Arbeiter*innen der Welt sucht.
Eine solche Politik würde eine enorme Resonanz finden, wie auch die Russische Revolution. Überall auf der Welt können wir die Verschärfung des Klassenkampfs sehen. Das Erreichen der Arbeiter*innendemokratie in einem einzigen Land würde die Weltlage umgestalten. Sie würde der Arbeiter*innenklasse den Weg vorwärts zeigen.
Es ist die Arbeiter*innenklasse der Welt, an die sich die iranischen Arbeiter*innen „um Hilfe wenden können, wenn der Schah gestürzt ist“, nicht indem sie ihren Kampf zurückhalten, um sich bei den Kreml-Bürokrat*innen beliebt zu machen.
Mit brüderlichen Grüßen
Bob Labi
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