[eigene Übersetzung des englischen Textes in The Militant, Nr. 423, 15. September 1978, S. 1 + 16]
Während Hunderttausende Iraner*innen auf die Straßen strömen und den Sturz des Schahs fordern, schafft es seine Politik von Zugeständnissen und Zwang nicht, die größte Welle der Opposition gegen sein Regime seit seiner Machtübernahme im Jahr 1953 einzudämmen.
In mehreren Industriestädten des Iran wurde das Kriegsrecht verhängt, nachdem Massenunruhen die repressive Herrschaft des Schahs erschüttert hatten. Obwohl die offizielle Zahl der Todesopfer 597 ist, schätzt Dr. Ali Aini, Premierminister von 1961, dass Regierungstruppen 2.000 Demonstranten getötet und viele weitere verletzt haben.
In Ghom und Täbris forderten riesige Demonstrationen nicht nur den Sturz des Schahs, sondern auch des Klassensystems. In diesem reichen Ölstaat von 35 Millionen bestehen enorme Reichtumsunterschiede. Die Kluft zwischen den Einkommen in den Städten und auf dem Land vergrößert sich in den letzten Jahren rapide.
Der Schah herrscht seit Jahren über einen sozialen Vulkan und rüstet sich bis an die Zähne, indem er 25 bis 30 % des Staatshaushalts für die Streitkräfte ausgibt, in einer Zeit, in der auf dem Land bittere Armut, Analphabetismus und Krankheiten herrschen. Aber jetzt, wo dieser Vulkan ausbricht, können nicht einmal die teuren, hochentwickelten britischen Panzer und Jets die Massen einschüchtern, die demokratische Rechte und ein Ende der Ausbeutung fordern.
Vor allem kann sich der Schah nicht mehr absolut auf die Mannschaften der Armee verlassen. Jüngste Berichte erzählen von Soldaten, die ihre Offiziere erschießen oder sich sogar selbst erschießen, statt Befehlen zum Feuern auf Demonstrant*innen zu gehorchen. Wie immer, wenn die Masse der Arbeiter*innen und Bäuer*innen in Bewegung kommt, entstehen selbst in der stärksten Armee Risse.
Die Presse und das Fernsehen haben die Aufmerksamkeit auf den fanatischen Widerstand der reaktionären führenden muslimischen Vertreter gegen das Modernisierungsprogramm des Schahs gerichtet. Die führenden schiitischen Vertreter wollen eine Rückkehr ins Dunkle Zeitalter. Aber wenn sie auch die gegenwärtigen Unruhen ausgelöst haben, so werden sie diese doch nicht vollenden können.
Als der Schah zwischen Zugeständnissen und Unterdrückung schwankte, nutzten die Massen die Chance, um ihre tiefe Unzufriedenheit mit ihren Lebensbedingungen zu demonstrieren. Es sind die Arbeiter*innen und Bäuer*innen, das Volk, die die Hauptlast des Industrialisierungsprogramms des Schahs getragen haben, die nun die entscheidende Rolle spielen werden. Insbesondere werden es die jungen Arbeiter*innen in den großen, modernen Fabriken des Iran sein, die den Weg weisen werden. Für die Arbeiter*innen ist es entscheidend, dass die unmittelbaren Forderungen nach demokratischen Rechten mit einem Programm für einen sozialistischen Wandel verbunden werden. Länder wie der Iran, die immer noch von Jahrhunderten von Rückständigkeit und unter Unterdrückung herabgedrückt werden, werden keine demokratischen Freiheiten erlangen, solange der Großgrundbesitz und der Kapitalismus fortbestehen und die Verbindungen zum Imperialismus bleiben.
* Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit!
* Für das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten und zu streiken!
* Freilassung der Tausenden politischen Gefangenen und Beendigung der Folter!
* Freiheit für politische Parteien!
* Stürzt die Diktatur des Schahs – für eine verfassungsgebende Versammlung!
* Für einen sozialistischen Iran!
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